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Dormagen: Mit Geld umgehen lernen

Dormagen : Mit Geld umgehen lernen

Die Verbraucherzentrale Dormagen will Schülern den vernünftigen Umgang mit Geld erleichtern – und sie davor bewahren, spätestens mit 18 Jahren durch teure Verträge oder Ratenzahlungen in die Schuldenfalle zu tappen.

Jugendliche haben kein Gefühl mehr für Geld und schmeißen ihre "Kohle" für unnützes Zeug zum Fenster raus. Solche Klischees mögen ein bemerkenswertes Haltbarkeitsdatum haben, wahrer werden sie dadurch nicht. Zumindest die Neuntklässler der Realschule Hackenbroich, die Beraterin Dagmar Blachmann von der Verbraucherzentrale Dormagen gestern mit grundsätzlichen Fragen zum Umgang mit Geld und vorhandenen Budgets konfrontierte, empfahlen sich als geborene Finanzminister. Wer sich die Einträge auf dem von der Beraterin ausgeteilten Ein- und Ausgabenformular anschaute, durfte feststellen: Die Welt dieser 14- und 15-Jährigen besteht weder aus prall gefüllten Brieftaschen noch aus horrenden Rechnungen für Handy, Internet und Co.

Dabei sitzen im brütend warmen Klassenzimmer ganz normale Jugendliche, die Spaß am Shoppen, Freude an Statussymbolen, Lust auf coole Klamotten und ihr obligatorisches Handy haben. Aber schon der Einstieg in den Finanz-Unterricht, bei dem die Schüler anhand ihrer Antworten und mit Hilfe einer Punkteskala feststellen, welcher "Shopping-Typ" sie sind, zeigt: Es wird mit spitzer Feder gerechnet. "Klar gehe ich gerne shoppen, aber ich kann's nicht so oft. Das ist eine Geldfrage", sagt die 16-jährige Miriam – eine Aussage, die ihre lediglich 17 Punkte im Shopping-Test widerspiegeln, denn die Delhovenerin gehört laut Auswertung zu den "Wenigshoppern". Penibel notiert sie ihre monatlichen Einnahmen: 15 Euro Taschengeld, zehn Euro fürs Treppe putzen von der Oma. Und 10 Euro von den Eltern, wenn der Kauf von Kosmetika ansteht.

Die meisten in der Klasse sind "Lightshopper", die gerne einkaufen, aber dafür ungern ihr Budget sprengen – sie sparen auf ein neues handy, Laptop oder hochwertige Outfits. Für die 15-jährige Charleen müssen Die Sachen "gut aussehen und Qualität haben." Der 14-jährige Timo ergänzt: "Die Marke ist mir wichtig – vor allem bei Schuhen." Da muss er bei monatlich kalkulierten 30 Euro für Kleidung sparen. Und jobben: 40 Euro verdient der Nievenheimer als Babysitter dazu. Geht er aus, gibt's zu den 25 Euro Taschengeld noch Nachschub, was Dagmar Blachmann eher kritisch sieht: "Ich plädiere für feste Budgets, denn später steht auch nur ein fixes Einkommen zur Verfügung."

Die Verbraucherberaterin möchte mit dem Unterricht den Weg in die Selbständigkeit und in den Beruf vorbereiten. "Wir wollen, dass die Schüler Ein- und Ausnahmen immer im Blick behalten – auch mit 18, wenn sie Verträge abschließen dürfen. Langfristige Verträge vor allem von Telefonanbietern und Ratenzahlungen seien die größten Kostenfallen für junge Erwachsene, zumal es aufgrund der Krise immer schwieriger werde, Kulanzvereinbarungen zu treffen.

(NGZ)