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Dormagen: Mit 21 Profi-Kampfrichter

Dormagen : Mit 21 Profi-Kampfrichter

Jonas van der Meeren hat es in der Gilde der Kampfrichter beim Ringen weit gebracht. Mit 21 Jahren hat er die internationale Lizenz erworben. Das Ziel des Nievenheimers ist klar: Einmal als Kampfrichter an Olympia teilnehmen.

Dass Jonas van der Meeren Kampfrichter beim Ringen wurde, hatte auch mit Schicksal zu tun: Aufgrund eines Herzfehlers darf der 21-Jährige keinen Sport treiben. Doch die Kämpfe seines Bruders Malte, der 2006 den sechsten Platz belegte bei den deutschen Meisterschaften, haben ihn seit jeher gefesselt.

"Reich wird man nicht"

So blieb nur ein Ausweg. Er musste Kampfrichter werden. Die Karriere dazu verlief dann allerdings mehr als geradlinig: Mit 15 Jahren war er bereits der jüngste Kampfrichter überhaupt, damals trat Jonas van der Meeren noch in der Bezirksliga an. Nun, nach dem Erwerb der internationalen Lizenz, darf er Kämpfe der Oberliga pfeifen, immerhin die höchste Klasse in Nordrhein-Westfalen. "Ich könnte noch die Bundeslizenz machen", sagt der 21-Jährige mit den roten Haaren und der schmalen Figur. Für die Beurteilung muss der Nievenheimer, der derzeit am Humboldt-Gymnasium in Neuss das Abitur nachholt, einen dicken Regelkatalog im Kopf haben. Der spektakulärste Griff —ein Wurf aus dem Stand auf den Boden mit Fixierung beider Schulterblätter — bringt die maximale Punktzahl von fünf Zählern. Doch auch Bauchlage, gefährliche Lage und der Winkel des Körpers zum Boden spielen eine Rolle.

Jonas van der Meeren ist Mitglied beim AC Ückerath. Er ist dem Verein dankbar. "Ich habe eine super Ausbildung genossen", sagt er. Immerhin 50 Prozent der Prüflinge für die internationale Lizenz hätten nicht bestanden. Doch legt er Wert auf die Feststellung, dass er natürlich unparteiisch sei bei Wettkämpfen. Während die Saison bereits am 1. September wieder startet, muss der 21-Jährige erst eine Woche später an den Mattenrand. Dann pfeift er die Kämpfe zwischen Rheinbach und Oberhausen. 120 Euro Aufwandsentschädigung gebe es dafür, plus Spritgeld. "Reich wird man dadurch nicht", sagt Jonas van der Meeren, der neben der deutschen die holländische Staatsangehörigkeit besitzt.

Maximal sechs Begegnungen pro Saison pfeift ein guter Kampfrichter. Dankbar ist der Job nicht immer. "Wie beim Fußball die Schiedsrichter können auch wir Kampfrichter beim Ringen es niemandem Recht machen", sagt van der Meeren, der hauptberuflich beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Düsseldorf arbeitet, wo unter anderem über Asylanträge entschieden wird.

Dem Ringen bleibt er auch in seiner Freizeit treu: "Ich gehöre dem internationalen Videoteam an und filme Kämpfe für den Deutschen Ringerbund", sagt er.

(NGZ/ac)