Dormagen: Missbrauch in Knechtsteden?

Dormagen: Missbrauch in Knechtsteden?

Es gibt Hinweise auf pädophile Neigungen eines Paters in den sechziger Jahren und sadistische Übergriffe eines Lehrers am damaligen Heilig-Geist-Gymnasium. Das Erzbistum Köln bietet Hilfe für Betroffene.

Schockstarre in Knechtsteden. Ein anonymer Hinweis bezichtigt einen Pater, in den sechziger Jahren sexuelle Übergriffe auf Kinder begangen zu haben. Der Brief liegt der Redaktion vor. Ein anderer Pater soll als Lehrer des damaligen Heilig-Geist-Gymnasiums gewaltsame Übergriffe gegen Schüler vorgenommen haben. Beide Patres sind seit Jahren verstorben.

Tiefe Betroffenheit bei den Spiritanern. Der Knechtstedener Superior, Pater Norbert Merkel, kennt Pater A. noch aus dem Studium an der Kloster-Hochschule, wo er als Professor unter anderem "Moral" lehrte. Merkel: "Ich bin tief erschüttert und kann es kaum glauben". A. wird vorgeworfen, Jungen der damligen Schule auf sein Zimmer imKloster gelockt und dort unsittlich berührt zu haben. Auch soll er in der Sakristei in St. Martinus Nettesheim, wo er die Sonntagsmesse las, unkontrolliert geprügelt und sich auf dem Rückweg ins Kloster den Kindern sexuell genähert haben. Damals, so der Hinweisgeber in seinem Schreiben, sei relativ offen über die Neigungen von Pater A. gesprochen worden.

Das heutige Norbert-Gymnasium sieht sich in diesem Fall außen vor. Wilhelm Meller, Vorsitzender des Trägervereins und in den sechziger Jahren selbst Schüler in Knechtsteden: "Pater A. war niemals Lehrer an der Schule." Er hat wohl offenbar einige Male ausgeholfen. Meller hat zu Beginn der Missbrauchslawine in kirchlichen Einrichtungen in seinem Abitur-Jahrgang 1968 nachgefragt, ob den damaligen Mitschülern Missbrauchsfälle erinnerlich seien. "Die Antworten waren eindeutig", sagt Meller. Es habe keine Hinweise auf Missbrauchsfälle gegeben.

Vielen ehemaligen "Knechtstednern" sind allerdings gewaltsame Entgleisungen von Pater M. präsent, die weit über das Maß der damaligen "Rohrstock-Pädagogik" hinaus gingen. Nach Berichten früherer Schüler erhielt er schließlich Unterrichtsverbot.

Das Erzbistum Köln bietet den Betroffenen Hilfe an. Pressesprecher Christoph Heckeley: "Wir haben eine eigene Kontaktstelle eingerichtet, an die sich Betroffene auch anonym und absolut vertraulich wenden können." Prälat Norbert Trippen (Tel. 02 21 257 89 96) will allen Hinweisen auf mögliche Missbrauchsfälle nachgehen.

(NGZ)