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Dormagen: Misapor schließt Werk nach nur zwei Jahren

Dormagen : Misapor schließt Werk nach nur zwei Jahren

Das Schweizer Unternehmen macht einzige Produktionsstandort in Deutschland dicht. 17 Mitarbeiter sind bereits entlassen worden.

Ende Juni öffnete Misapor noch seine Türen für die Öffentlichkeit, zeigte Betriebsleiter Norbert Heymann im Rahmen der Aktion "Industriepunkte" interessierten Besuchern die Herstellung von Schaumglasschotter. Vier Monate später hat Misapor dicht gemacht. Das Schweizer Unternehmen hat seinen einzigen Produktionsstandort in Deutschland geschlossen, die 17 Mitarbeiter sind bereits entlassen worden. Nur Heymann hält noch die Stellung, um den Betrieb abzuwickeln. Das Aus kommt überraschend, denn erst im September vor zwei Jahren war das Werk an der Edisonstraße in Delrath, in das rund 18 Millionen Euro investiert wurden, mit vielen Ehrengästen (unter anderem Landrat Hans-Jürgen Petrauschke und Stadtkämmerer Kai Uffelmann) eröffnet worden.

Daniel Engi, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Misapor mit Sitz in Landquart, nennt verschiedene Gründe für das Aus: "Höhere Kosten bei den Rohstoffen, bei der Energie und ein erheblicher Preiskampf auf dem deutschen Markt." Engi nennt aber auch "Kooperationsprobleme" mit der Rhenus Recyling GmbH, die das Mehl für den Schaumglasschotter liefert, den Misapor produziert. Konkreter wird er nicht. Er spricht davon, dass man, was die Qualität und den Preis der Recyclingscherben betrifft, "nicht wettbewerbsfähig" war. Zu Beginn profitierte Misapor laut Engi vom Grünstrom-Privileg, "jetzt belastete die EEG-Umlagepflicht das Ergebnis". Er räumt auch ein, dass sich der Markt im Westen und Norden Deutschlands "nicht so schnell entwickelt hat, wie wir das erwartet haben".

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"Aus Sicht der Wirtschaftsförderung ist das sehr schade", kommentiert Kämmerer Uffelmann, "Misapor ist ein innovatives Unternehmen. Wir hatten als Stadt keine Finanzerwartung an die Firma."

Misapor setzt auf innovative und ökologisch wertvolle Baustoffe, wie Schaumglas und wärmedämmenden Beton. Nach Firmenangaben expandiere man mit jährlichen Wachstumsraten im zweistelligen Bereich. Es handelt es sich um neuartiges Dämmmaterial aus Altglas, das in erneuerbaren und "enkeltauglichen" Baustoff verwandelt wird.

Graues Glasmehl wird in bis zu 950 Grad heißen Bläh-Öfen zu Misapor gebacken, einem Dämmstoff von einer Konsistenz wie Luftschokolade, porös und federleicht. Rund 250 000 Kubikmeter sollten aus 45 000 Glasscherben jährlich hergestellt werden. Verkauft wird der Dämmstoff an den Bauhandel und an Bauträger. Misapor wird beispielsweise unter der Bodenplatte beim Hausbau verlegt. "Wir exportieren auch seit zehn Jahren erfolgreich nach Deutschland", so Engi, allerdings eher in den süddeutschen Raum. Mit dem Produktionsstandort in Dormagen wollte man vor zwei Jahren auch im restlichen Deutschland Marktanteile gewinnen. Aber das Ziel, die Nummer eins in Deutschland zu werden, wurde nicht erreicht.

Als damals die Ansiedlungspläne von Misapor bekannt wurden, gab es Kritik aus Delrath, wo Bürger befürchteten, dass aus der räumlichen Nähe zum damaligen Flüssiggastank von RWE Gefahr entstehen könnte. Die Untere Immissionsschutzbehörde des Rhein-Kreises Neuss hatte dies jedoch ausgeschlossen.

(NGZ)