Dormagen: Millionenbetrug mit Leiharbeit?

Dormagen: Millionenbetrug mit Leiharbeit?

Der Dormagener Axel H. gilt als Kopf eines Betrugs mit Leiharbeiter für Schlachthöfe. Jetzt sitzen er und fünf Verdächtige – darunter eine Frau – in Untersuchungshaft. Gesamtschaden: Mehr als zwölf Millionen Euro.

Der Dormagener Axel H. gilt als Kopf eines Betrugs mit Leiharbeiter für Schlachthöfe. Jetzt sitzen er und fünf Verdächtige — darunter eine Frau — in Untersuchungshaft. Gesamtschaden: Mehr als zwölf Millionen Euro.

Die Beweis-Unterlagen füllen eine ganze Halle bei Kleve. Doch ob die Beweise auch erdrückend sind? Der Düsseldorfer Wirtschaftsstaatsanwalt Nils Bußee jedenfalls geht davon aus. Er erließ jetzt jedenfalls Haftbefehle. Und die wurden zu Beginn der Woche in aller Frühe vollstreckt. Etwa 150 Polizei- und Zollbeamte stürmten sechs Wohnungen und nahmen sechs Verdächtige — darunter eine Frau — fest. Sie sitzen mittlerweile in untersuchungshaft. Bußee: "Darunter sind auch der mutmaßliche Drahtzieher Axel H. und zwei seiner engsten Mitarbeiter."

Westfleisch als Hauptabnehmer

Der 46-Jährige soll von seinen Geschäftssitzen in Dormagen und Düsseldorf aus Betrügereien mit Leiharbeitern an Schlachthöfen begangen haben. Einer der Hauptabnehmer war die Fleischerei-Kette Westfleisch mit Sitz in Münster, einer der größten deutschen Fleischverarbeiter. Doch dort waren die kriminellen Machenschaften offenbar nicht bekannt. Bußee bestätigt, dass Westfleisch nicht im Visier der Ermittler steht.

Axel H. und seine Komplizen hatten zeitweise bis zu hundert Scheinfirmen gegründet, die zum großen Teil von Dormagen aus operierten. Sie warben über 1000 Mitarbeiter an, die an die Schlachthöfe vermittelt wurden. "Zum Teil in 400 Euro-Jobs, zu einem großen Teil aber auch schwarz", so der Staatsanwalt gegenüber der NGZ. Gezahlt wurde deutlich unter den üblichen Sätzen. Sozialabgaben und Lohnsteuer wurden in zahlreichen Fällen nicht abgeführt. "Der Schaden liegt bei den Sozialabgaben bei etwa sechs Millionen Euro, bei den hinterzogenen Steuern nach heutigem Erkenntnisstand noch deutlich darüber." Bei den Durchsuchungen wurden weitere Unterlagen sichergestellt, die jetzt von der Staatsanwaltschaft gesichtet werden.

Axel H. und seine Komplizen hatten sich in Dormagen eine teure Lage in der Innenstadt ausgewählt. Das Büro scheint verlassen: Wer dort heute Axel H. anrufen will, wird mit einem Makler-Unternehmen verbunden.

Bereits vor zwei Jahren hatte die NGZ über die Ermittlungen gegen Axel H. berichtet. Damals hatte er offensichtlich mit der gleichen Masche vor allem Rumänen an Westfleisch und andere Fleischbetriebe "vermittelt". Damals konnte die Staatsanwaltschaft der Gruppe um Axel H. nichts nachweisen. "Dank der unermüdlichen Arbeit der Kollegen konnten wir das Netz jetzt enger knüpfen", so Bußee. Die Ermittlungen laufen seit 2005.

Wann das Verfahren eröffnet werden kann, steht noch nicht fest. Bußee: "Wir haben noch viel Arbeit vor uns." Die Tatsache, dass sechs Verdächtige jetzt in U-Haft sitzen, werde den Gang der Ermittlungen aber eher beschleunigen, so der Staatsanwalt.

(NGZ)