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Hans-Jürgen Niehues, Vorsitzender Der Stadteltern: Mehr Werbung für die Sekundarschule

Hans-Jürgen Niehues, Vorsitzender Der Stadteltern : Mehr Werbung für die Sekundarschule

Neue Schulform ist bewusst als eine Alternative zur Gesamtschule geplant worden. Niehues: "Außenkommunikation kann stärker werden."

Herr Niehues, haben Sie die Anmeldezahlen zu den weiterführenden Schulen überrascht?

Hans-Jürgen Niehues Vieles war zu erwarten, z.B. die Anmeldezahlen der Gesamtschule, die sich wohl vor dem Hintergrund der Entwicklungen in den Nachbargemeinden verändert haben. Deshalb war ich nicht sonderlich überrascht. Mich freut vor allem, dass in diesem Jahr wenige Schüler eine Ablehnung bei ihrem Erstwunsch bekommen haben.

Das Bettina-von-Arnim.-Gymnasium darf sich als "Gewinner" fühlen, nachdem die Zahlen jahrelange eher schwach waren. Wie erklären Sie sich den plötzlichen Zustrom?

Niehues "Gewinner" bei den Anmeldungen zu küren, finde ich äußerst unangebracht, denn alle weiterführenden Schulen bemühen sich um eine enge Kooperation und streben meinem Eindruck nach nicht nach Wettkampf - schon erkennbar durch eine gemeinsam gestaltete alljährliche Vorstellung vor den Eltern der Viertklässler. In diesem Jahr waren wohl die Marketing-Maßnahmen des BvA bei den Eltern besonders erfolgreich. Das freut mich für meine alte Schule. Immerhin führt das dazu, dass wohl kein Kind, das auf ein Gymnasium möchte, eine Ablehnung bekommt.

Auf der anderen Seite muss die Sekundarschule im ersten Anlauf wieder sehr geringe Anmeldezahlen hinnehmen. Das spricht nicht gerade dafür, dass diese Schulform bei den Eltern beliebt ist...

Niehues Wirklich beliebt scheint sie offensichtlich nicht. Ich glaube allerdings nicht, dass dies in erster Linie an der Schulform liegt. Meist wird die Sekundarschule ja mit der Gesamtschule verglichen. In Dormagen wird eine neue Schule und eine neue Schulform mit einer hervorragenden und lange bekannten Gesamtschule verglichen - die übrigens in ihren Anfangsjahren ebenfalls Schwierigkeiten hatte. Da ist das Ergebnis eigentlich klar. Wenn man in der Diskussion allerdings fragt, wo denn die Unterschiede zwischen den Schulformen liegen, wird es schnell still, nachdem die fehlende Oberstufe genannt wurde.

Die Sekundarschule ist in Dormagen sehr gut vorbereitet worden, sie gehörten selbst dem Arbeitskreis an. Aber: Wenn eine Schule nur dadurch arbeitsfähig wird, wenn ihr "zwangsweise" Schüler zugewiesen werden, dann stimmt doch etwas nicht.

Niehues "Zwangsweise" ist in diesem Zusammenhang natürlich ein schwieriger Begriff, denn eine Empfehlung an eine Gesamtschule wäre von System her ebenso möglich, scheiterte bisher aber an den fehlenden Plätzen. Übrigens wurde in der Arbeitsgruppe Schulentwicklung das Konzept der Sekundarschule bewusst so gestaltet, dass es eine Alternative zur bekannten Gesamtschule bieten kann. Vielleicht müsste dieser Aspekt in der Außenkommunikation noch stärker hervorgehoben werden.

In Dormagen sind es 31 Kinder, in Neuss meldet eine Sekundarschule sogar nur 15 Anmeldungen. Ist die Gesamtschule die bessere Schulform?

Niehues Nein, wieso? Die Unterschiede erschöpfen sich in Details, die kaum jemand benennen kann - wobei die Sekundarschule in ihren Möglichkeiten durchaus im Vorteil ist. Ohne dabei in bestehende Schullandschaften einzugreifen, weil sie eben keine neue Oberstufe anbietet. Übrigens gibt es keine besseren oder schlechteren Schulformen. Bezogen auf die Kinder gibt es höchstens passende oder weniger passende. Und da sind auch die Eltern gefordert.

(schum)