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Dormagen: Mehr Gesamtschulplätze für Dormagener

Dormagen : Mehr Gesamtschulplätze für Dormagener

Weil in Neuss-Norf eine vierte Gesamtschule kommt, werden bald mehr Dormagener an der BvS-Schule berücksichtigt.

In Dormagen haben die Anhänger der Gesamtschule den Kampf um die Einrichtung einer zweiten Schule vorerst verloren. In der Nachbarstadt Neuss dagegen boomen die Gesamtschulen förmlich. Wurde dort erst 2011 im Norden die dritte Gesamtschule eingerichtet, so zeichnet sich ab, dass womöglich bereits im Schuljahr 2014/15 Nummer vier folgt — in Norf und damit im Einzugsbereich von Dormagen. Mit welchen Folgen für die hiesige Schullandschaft?

Im Rathaus sieht man dieser Entwicklung gelassen entgegen. Im Gegenteil: "Ich verspreche mir dadurch eine deutliche Entlastung für die Stadt", sagt Schuldezernentin Tanja Gaspers. Sie geht davon aus, dass mindestens ein Zug von Schülern aus dem Neusser Süden die Bertha-von-Suttner-Gesamtschule besucht. "Eine negative Auswirkung befürchte ich nicht, denn Dormagen hat deutlich mehr Ein- statt Auspendler." In Zahlen ausgedrückt: etwa hundert Schüler kommen täglich nach Dormagen, um hier eine Schule zu besuchen. Im Wesentlichen aus Neuss und Köln. Dabei ist das private Norbert-Gymnasium in Knechtsteden nicht mitberücksichtigt. Auf etwa "30 bis 40" beziffert Gaspers die Zahl der Kinder, die eine Schule außerhalb Dormagens besuchen. In den meisten Fällen eine Neusser Schule. Auswirkungen auf die kommende, neue Sekundarschule sieht sie nicht: "Das Schülerpotenzial ist ausreichend."

Der Hauptbetroffene, Volker Hansen, Direktor der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule in Nievenheim, "begrüßt jede weitere Gesamtschule in der Region. Ich finde die Entwicklung in Neuss sehr positiv". Negative Auswirkungen sieht er keine, seine Haltung gründet sich auf eine stabile Basis: "In 27 Jahren haben wir uns ein klares Profil erarbeitet, das Eltern und Schüler schätzen", sagt er. Er nennt die gerade laufende Entwicklung hin zur NRW-Sportschule (gemeinsam mit dem Norbert-Gymnasium), die Möglichkeit, Sport als Leistungskursus zu wählen, die Musikklasse oder Friedenserziehung. Hansen verweist auf zuletzt 90 Kinder, die man zu Schuljahresbeginn habe ablehnen müssen. "In den vergangenen sechs Jahren waren es insgesamt 600 Schüler." Wenn durch eine vierte Gesamtschule in Neuss, die nach der Auffassung der CDU/FDP-Mehrheit im Neusser Rat auf dem Gelände der heutigen Ganztagsrealschule entstehen soll, ein Zug wegfallen würde, "dann blieben noch 60 Interessenten übrig", sagt Hansen. Im Übrigen sei er auch nicht gegen eine Reduzierung der Zügigkeit an seiner Schule von derzeit sechs auf fünf Eingangsklassen, "weil wir allmählich an unsere räumlichen Kapazitätsgrenzen geraten."

"Eine Gesamtschule ist ausreichend für Dormagen", sagt Anja Wingerath, schulpolitische Sprecherin der CDU. "Es sind viele Neusser Kinder, die an der BvS-Schule abgewiesen werden. Wir haben immer angemahnt, mehr Dormagener Kinder auf der Gesamtschule zu berücksichtigen — leider ohne Erfolg. Bei einer vierten Gesamtschule in Neuss kämen wieder mehr Dormagener zum Zug", glaubt sie. Alle Überlegungen rund um eine neue Gesamtschule an der Stadtgrenze hält die schulpolitische Sprecherin der SPD, Birgit Burdag, für "spekulativ". Eine neue Schule müsse sich erst einmal pädagogisch bewähren.

(NGZ)