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Dormagen: Mehr Dormagener verschuldet

Dormagen : Mehr Dormagener verschuldet

Verbraucherinsolvenzen sollen bald in drei statt wie bisher in sechs Jahren abgewickelt werden. Norbert Hözel vom Internationalen Bund in Dormagen glaubt, dass die Neuregelung Schuldner eher schlechter stellt.

Ein typischer Fall für Schuldnerberater Norbert Hözel vom Internationalen Bund (IB) in Dormagen: Ein Bayer-Mitarbeiter, gut verdienend, laufende Kosten, hat sich gerade einen neuen Wohnwagen gekauft — von der Bank finanziert. Dann trifft ihn das Schicksal. Er trennt sich von seiner Frau, wird krank oder arbeitslos, ist plötzlich verschuldet und muss Privatinsolvenz anmelden.

Bisher hieß das: Sechs Jahre lang Schulden abstottern. Das soll sich bald ändern. Das Bundeskabinett hat eine Neuregelgung des Privatinsolvenzverfahrens beschlossen. Restschulden sollen nach dem Gesetzesentwurf künftig in drei Jahren erlassen werden. Geknüpft ist der verkürzte Weg aus der Privatpleite indes an Bedingungen: Der Schuldner soll innerhalb dieser Frist mindestens ein Viertel der Gläubigerforderungen sowie die Verfahrenskosten zahlen.

Norbert Hözel hält das für unrealistisch: "Was die Politik plant, kommt in der Wirklichkeit nicht vor." Aus seiner Sicht verschlechtert sich die Situation für das Gros der Schuldner sogar, wird der Referentenentwurf tatsächlich wie geplant umgesetzt. Hözel befürchtet gar einen Drehtüreffekt, dass also Schuldner noch während eines Verfahrens — das mit mindestens 1500 Euro zu Buche schlägt — neue Schulden machen. Das bisherige Prozedere, eine Stundungsregelung für nicht solvente Schuldner würde wegfallen. Die Zahl der in die Pleite geratenen Menschen, die beim IB an der Bismarckstraße um Hilfe suchen, ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen: Rund 380 neue Fälle sind bei Norbert Hözel und seiner Kollegin auf dem Schreibtisch gelandet. Rund vier Wochen dauert es, bis Schuldner einen Termin beim IB bekommen. Im Schnitt sechs Stunden Beratung pro Fall rechnet

Dass die Verschuldung privater Haushalt zunehmend zu einem Problem wird, meint auch Rainer Bovelet, der jährlich gemeinsam mit dem Inkassobüro Creditreform den "SchuldnerAtlas"herausgibt. So ist etwa die Schuldnerquote in Straberg 2011 gegenüber 2009 von 4,54 auf 6,40 Prozent angestiegen; in Hackenbroich von 10,96 auf 12,04 Prozent.

Im Gegensatz zur Verschuldung hat indes die Zahl der Privatinsolvenzen nach Bovelets Daten zuletzt abgenommen: "Viele warten auf die Änderungen im Insolvenzrecht, zuletzt hat es einen künstlichen Rückgang gegeben", glaubt er, "bei 6,41 Millionen überschuldeten Menschen in Deutschland, müsste die Zahl der Privatinsolvenzen eigentlich steigen." Das könne sich schon bald ändern.

(NGZ)