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Dormagen: Medizin-Preis für Frauenklinik

Dormagen : Medizin-Preis für Frauenklinik

Dr. Karl-Günter Noé von der Frauenklinik des Kreiskrankenhauses Dormagen hat in London den "Lilo Mettler-Preis" für eine neue OP-Methode entgegengenommen. Es geht um endoskopische Eingriffe.

Der Ruf in den OP erfolgte kurzfristig. Trotz des plötzlichen Aufbruchs ist der Schreibtisch von Chefarzt Dr. Karl-Günter Noé aufgeräumt. Kaffee, eine Skulptur mit helfender Hand, ein Tacker, Visitenkarten, Diktiergerät, ein Brief. "Ich versuche immer, alles wegzusortieren", sagt Noé.

Ein Bild darf auf dem Tisch liegenbleiben. Es zeigt die 72-jährige Ärztin Liselotte Mettler und Noé in London, kurz nachdem der 47-jährige Chef der Frauenklinik am Kreiskrankenhaus Dormagen eine hohe internationale Auszeichnung entgegengenommen hat: Die Europäische Gesellschaft für Gynäkologische Endoskopie verlieh ihm jetzt den Liselotte-Mettler-Preis für die beste Videopäsentation einer neuen Operationstechnik in der so genannten Senkungschirugie — unter rund 100 Fachbeiträgen.

Maßgeblich beteiligt am Projekt ist die Leitende Oberärztin Dr. Carolin Spüntrup. Die 35-Jährige hat das Thema "Endoskopische Beckenbodenchirurgie" jetzt sogar zur Habilitation genutzt — und arbeitet nun vor allem an der Frage, wie sich das spezielle Know-how kollektiv vermitteln lässt. Schließlich sei Erfahrung das Entscheidende für einen Operateur.

Die haben die Experten in Dormagen über Jahre gesammelt — und mit dem Preis sozusagen ihr Tagesgeschäft wissenschaftlich veredelt. Der Preis ist der Lohn für jahrelange Weiterentwicklung endoskopischer Methoden in der Frauenheilkunde. "Alles, was endoskopisch gemacht werden kann, wird bei uns so operiert", sagt Noé, der die "Schlüssellochchirurgie" zum Markenzeichen für Dormagen gemacht hat. "Wir haben radikal umgestellt", erklärt der Gynäkologe, der im siebten Jahr Chefarzt am Kreiskrankenhaus ist. Und weiß, "dass wir uns von Großstadtkliniken unterscheiden müssen. Warum sollte eine Düsseldorferin oder Kölnerin sonst zu uns kommen?"

Fakt ist: In der Frauenklinik ist fast kein Bauchschnitt mehr nötig. 95 Prozent der rund 400 Gebärmutterentfernungen pro Jahr werden endoskopisch gemacht. "2005 hatten wir hier die letzte offene Operation", so Noé. Auch Myome oder Endometriose werden endoskopisch behandelt. Die Vorteile: "Die Patienten können früher nach Hause, Wunden heilen schneller. Und sie können sehr genau operieren." So sei die Gefahr, bei der Krebschirurgie Schäden wie gefühllose Blasen zu produzieren, geringer.

Beim Video, das der Chefarzt in London präsentierte, geht es um die Befestigung des Beckenbodens auch bei fettleibigen Patienten oder Patienten mit Darmvorschädigungen. Die Technik selbst haben die Experten bereits vor einem Jahr vorgestellt, doch der Preis schafft eine internationale Bühne für die Mediziner. "Die Entwicklung einer neuen Operationstechnik ist äußerst selten", betont Noé.

(NGZ/rl)