Mauer in Altstadt Zons erhält Durchbruch zur Mühle

Zonser Altstadt : Durchgang zur Mühle soll möglich sein

In den nächsten Monaten soll geprüft werden, ob die Zonser Altstadtmauer, die den Platz hinter dem neuen Kreisarchiv vom Mühlenplatz trennt, ein Tor erhalten kann.

Der neue Durchgang durch die Mauer würde den Zonsern und den Besuchern gleichermaßen einen neuen Zugang zur Mühle – und weiteren Parkplätzen – erlauben. Davon ist Hermann Kienle überzeugt. Der ehrenamtliche Zonser Denkmalpfleger hatte mit seinem Förderverein Denkmalschutz Stadt Zons im März einen Antrag zur Öffnung des früheren Mauerdurchgangs vom neuen Archivplatz zur Mühle Zons als öffentlichen Weg verfasst. „Diesen Weg gab es vor Jahrhunderten schon, später wurde er zugemauert“, sagt Kienle. Er hat die Mauer bereits von Brombeerranken und Gestrüpp befreit, so dass der alte Durchgang – inklusive der alten Aufhängungen des Tores – sichtbar ist.

„Viele Besucher fragen mich bei meinen Führungen, warum sie nicht vom neuen Archiv zur Mühle an der Mauer weitergehen können“, erzählte Kienle im Kulturausschuss. Er geht davon aus, dass eine Öffnung eine „Bereicherung für alle“ wäre. Einstimmig hat der Kulturausschuss beschlossen, den Grundstücks-Eigentümer, die Stadtbad- und Verkehrsgesellschaft Dormagen (SVGD) um eine Prüfung zu bitten.

Wie die CDU, die um einen „Wronesgassen“-Sachstand gebeten hatte, in ihrem Antrag erläuterte, sei in der Kommission „Denkmalbereichssatzung Altstadt Zons“ fraktionsübergreifend festgelegt worden, dass im Rahmen der Baumaßnahme „Archiv“ der zugemauerte historische Durchgang zwischen Mühlenplatz und neuem Archivparkplatz wieder geöffnet werden solle. Zwischenzeitlich habe der Archivleiter der Universität St. Gallen und ehemalige Dormagener Denkmalschutzbeauftragte, Thomas Schwabach, nachgewiesen, dass dieser gewünschte Durchgang schon im 17. Jahrhundert als Prozessionsweg („Wronesgasse“) genutzt worden sei.

Wie Kienle seinen Vorgänger Schwabach zitierte, war der „Weg vor dem Klosterbau der traditionelle Fronleichnamsweg“. Historikerin Änne Hansmann nennt im Städteatlas die „Wronesgasse“ für das Jahr 1476/77 eine „portz an der wronesgasse“. Also gab es dort bereits im 15. Jahrhundert ein Tor. „Für 1650 erwähnt sie eine Gasse, durch die einmal jährlich die Fronleichnamsprozession zog, und die beim Bau des Franziskanerklosters aufgehoben worden ist“, weist der Historiker Schwabach darauf hin, dass beide Gassen offenbar identisch sind. Durch die Säkularisierung wurde die Klosteranlage 1802 aufgelöst, führte der Zonser Heimatkenner Kienle aus: „Danach kam es zum Streit um die Gassenbenutzung. Um 1829/30 ist das Tor geschlossen worden.“

Wie Beigeordnete Tanja Gaspers betonte, werde das Thema zur Beratung an den Aufsichtsrat der SVGD weitergeleitet – und gegebenenfalls ein ordnungsgemäßer Antrag bei den Denkmalpflegern des Landschaftsverbands Rheinland gestellt. „Das Originaltor an der gleichen Stelle zu errichten, wird daran scheitern, dass direkt dahinter Privatgrund ist, sodass es einige Meter versetzt werden müsste“, gab sie zu bedenken. Da dort ein Gefälle herrsche, müsse eine kleine Treppe gebaut werden. Wie Wolfgang Heinrichs, ebenfalls Zonser Denkmalschützer, sagte, könnten Anwohner durch den Durchgang die Parkplätze hinter dem neuen Archiv nutzen, ohne den Mühlenplatz weiter zuzuparken.

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