Dormagener Anti-Fluglärminitiative sieht Schreckensszenario: Massiver Fluglärm und Flugzeugkollisionen

Dormagener Anti-Fluglärminitiative sieht Schreckensszenario : Massiver Fluglärm und Flugzeugkollisionen

Von Christoph Pütz

Von Christoph Pütz

Die Diskussion um den Fluglärm in Dormagen erhält neue Nahrung. Professor Dr. Wolfgang Rohde, Sprecher der Dormagener Anti-Fluglärminitiative, malt zwei Schreckensszenarien an die Wand: Erstens würde mit einer Erweiterung des Flughafens Mönchengladbach die Einflugschneise auch im Bereich Nievenheim liegen, und die Flugzeuge würden in einer Höhe von lediglich 980 Metern über die Ortschaft dröhnen. Zweitens müssten die Flugzeuge durch das höhere Flugaufkommen gleichzeitig in einer Art Zwei-Etagen-Betrieb fliegen. Flugzeuge vom Typ Boeing oder Airbus in der Flugschneise über Nievenheim: Das befürchtet die Dormagener Anti-Fluglärminitiative mit dem Ausbau des Flughafen Mönchengladbach. Der Sprecher der Initiative, Professor Dr. Wolfgang Rohde, erklärt: "Die Flugzeuge würden in weniger als 1.000 Meter Höhe über den Ort fliegen." NGZ-Fotomontage: H. Jazyk

Flugzeugkollisionen sieht Rohde als mögliche Gefahr. "Wenn die 2.400 Meter lange Start- und Landebahn in Mönchengladbach kommt, wird sie in südöstlicher Richtung präzise auf die Orte Grefrath, Hoisten, Rosellerheide und Nievenheim weisen. Sollte es zum Ausbau kommen, werden Mittelstreckenmaschinen der Typen Boeing 737 und Airbus 320 auch Nievenheim in weniger als 1.000 Meter Höhe überfliegen", erklärt Professor Rohde, der selbst in Nievenheim wohnt. Das bedeutet: Startende Maschinen würden in nur der Hälfte der Flughöhe über den Ort dröhnen, wie der derzeitige Düsseldorfer Flugverkehr. Und selbst dieser Lärm wird von einigen Nievenheimern schon als störend empfunden.

Auch die Gefahr von Flugzeugkollisionen über Dormagener Gebiet erklärt Rohde: "Wir werden einen Flugbetrieb in zwei Etagen erleben, in dem die Flugsicherung die Kollisionsgefahr durch Sicherung vertikaler und horizontaler Sicherheitsabstände zu überwachen hat. Kreuzungen entstehen über Grefrath mit dem Düsseldorfer Startverkehr und östlich von Kleinenbroich mit dem Düsseldorfer Landeverkehr. Was sich wohl niemand in unserer Region vorstellen konnte, wird in wenigen Jahren Wirklichkeit werden", befürchtet der Sprecher der Anti-Fluglärm Initiative und fasst zusammen: "Wir werden hoch frequentiertes Überfluggebiet von zwei Flughäfen mit den entsprechenden Belastungen durch Fluglärm und Abgase und mit der stetigen Bedrohung durch keinesfalls auszuschließende Kollisionen. Die zusätzlichen Belastungen im Bereich Nievenheim, Delrath und Zons aus dem Kölner Flugbetrieb seien lediglich der Vollständigkeit wegen erwähnt."

"Die Überlegungen sind im Grundsatz richtig", bekräftigt Dezernent Hans-Dieter Schwarz, "deshalb hat es auch schon eine negative Stellungnahme seitens der Stadt zum Ausbau des Flughafens Mönchengladbach gegeben." Vom Flugverkehr im Zwei-Etagen-Betrieb gehe zwar keine akute Gefahr aus: "Da kann normalerweise nichts passieren. Aber wer gibt einem schon den Persilschein? Wie das Beispiel am Bodensee gezeigt hat, ist ein Unfall prinzipiell nicht auszuschließen."

Zum Fluglärm durch die Frachtflieger aus Köln dagegen hatte die Flughafenverwaltung Ergebnisse vorgelegt, die eine zunehmende Lärmbelästigung im Bereich Dormagen dementieren. "Wenn es zu einzelnen Überflügen über Dormagen kommt, hängt dies nicht mit Abweichungen von der Flugroute zusammen. Für Dormagen kommen nur Landevoranflüge in Frage, die in Höhen von mindestens 5.000 oder 6.000 Fuß (knapp 2.000 Meter) sporadisch von vielen Richtungen zum Endanflug herangeführt werden."

Und weiter: "Der Eindruck der zunehmenden Lärmbelästigung lässt sich anhand der Verkehrs- und Lärmstatistiken nicht bestätigen. Das Jahr 2002 war durch einen weiteren Rückgang der Flugbewegungszahlen sowohl bei Tag als auch bei Nacht gekennzeichnet." Im Jahr 2000 habe es 156.000 Flüge (davon 40.000 Nachtflüge in der Zeit von 22 bis 6 Uhr) gegeben, 2002 seien es lediglich 139.000 (35.000 Nachtflüge) gewesen.

(NGZ)
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