Martina Weigelt arbeitet im Pflegekinderdienst der Stadt Dormagen

Serie Familienbüro : Martina Weigelt und ihre 30 Pflegekinder

Im Fachbereich „Erzieherische Hilfen“ des Familienbüros der Stadt Dormagen vermittelt und betreut die Neusserin Pflegefamilien.

Wenn Kinder aus verschiedenen Gründen für kurze oder längere Zeit nicht bei ihrer leiblichen Familie leben können, sorgt sich der Pflegekinderdienst der Stadt Dormagen darum, passende Pflegefamilien zu finden. „Uns ist es wichtig zu schauen, dass die Pflegefamilie zum Kind passt und nicht umgekehrt“, betont Martina Weigelt, die für den Pflegekinderdienst der Stadt Dormagen zuständig ist. „Es geht immer zuerst um das Kind.“

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Katrin Kramer-Held ist Martina Weigelt neben der Vermittlung von Pflegefamilien auch Ansprechpartnerin für die Pflegeeltern sowie für die leiblichen Eltern. „Da wir immer den Wunsch haben, Kinder bei ihrer Familie aufwachsen zu lassen, gehen wir erst einmal von einem kurzfristigen Aufenthalt in der Pflegefamilie aus“, sagt Weigelt. Ob das Kind womöglich doch längerfristig dort unterkommt, wird durch die weitere Zusammenarbeit mit der Familie, aus der das Kind ursprünglich kommt, geklärt. Über allem steht: Die Eltern müssen sich ausreichend um ihr Kind sorgen können.

In der Regel bilden Kleinkinder und Kinder im Grundschulalter den größten Anteil an Pflegekindern. Häufig sind es Ehepaare, die die pflegebedürftigen Kinder aufnehmen. Aber auch Alleinerziehende sowie in selteneren Fällen gleichgeschlechtliche Partner zeigen sich bereit, Kindern ein neues Zuhause zu geben. Inwiefern eine Pflegefamilie auch tatsächlich geeignet ist ein Pflegekind aufzunehmen, wird zunächst durch ein persönliches Kennenlernen geprüft. Hier wird unter anderem geprüft. Für diese wichtige Entscheidung ist es wichtig zu erfahren, welche familiären Verhältnisse vorherrschen. Das Führungszeugnis, eine ärztliche Stellungnahme sowie eine Prüfung beim Gesundheitsamt werden herangezogen. Fällt alles positiv aus, besuchen die werdenden Pflegeeltern eine dreiwöchige Schulung, um so auf mögliche Herausforderungen bestens vorbereitet zu sein.

Martina Weigelt und Katrin Kramer-Held arbeiten aktuell in zwei halben Stellen im Pflegekinderdienst und betreuen jeweils 15 Pflegekinder in ihren Pflegefamilien. „Leider ist die Anzahl der Pflegefamilien in Dormagen ruckläufig“, bedauert Weigelt. „Daher freuen wir uns immer über neue Bewerbungen.“ Da es immer schwieriger wird eine Familie in Dormagen zu finden, arbeiten Weigelt und Kramer-Held auch eng mit den Pflegekinderdienststellen im Rhein-Kreis Neuss zusammen, darunter Rommerskirchen, Korschenbroich, Neuss und Grevenbroich.

Neben der Arbeit im Pflegekinderdienst der Stadt Dormagen ist Martina Weigelt außerdem im „Allgemeinen Sozialen Dienst“ (ASD) tätig. Als Bezirkssozialarbeiterin in Delrath übernimmt sie klassische Aufgaben der erzieherischen Unterstützung und sorgt sich allgemein um familienerhaltende Maßnahmen. So stattet sie Familien in Delrath beispielsweise Besuche ab und berät in Erziehungsfragen und Familienkonflikten.

Dabei wäre es fast gar nicht zu all dem gekommen. Zuvor arbeitete die gebürtige Neusserin als Zierpflanzengärtnerin. „Ich habe gemerkt, dass mir das nicht reichte“, erklärt Weigelt ihre berufliche Umorientierung. Ein Studium in Sozialer Arbeit und Diakonie an der Fachhochschule Bochum folgte.

Seit mittlerweile elfeinhalb Jahren arbeitet Weigelt nun für die Stadt Dormagen. „Die Arbeit ist total vielfältig: Man bekommt viele Facetten des Lebens einer Familie mit und ist nah an den Bürgern dran.“

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