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Ein A57-Pendler berichtet: "Man mag an so etwas gar nicht denken"

Ein A57-Pendler berichtet : "Man mag an so etwas gar nicht denken"

Es gibt Tage, da bleibt man besser zu Hause. Der heutige Dienstag ist so einer. Schon morgens höre ich im Radio von dem furchtbaren Unglück auf der A 57 zwischen Köln und Düsseldorf, auf meiner A 57, auf der ich täglich von Kölns Norden in die Redaktion nach Düsseldorf fahre.

Sie ist ein Teil meines Lebens geworden und deswegen erschüttert mich die Nachricht. Und sie macht mich nervös. Wie umfahre ich diese Stichverbindung von Köln nach Düsseldorf, die unter allen drei Autobahnen zwischen den beiden Metropolen die schnellste ist.

Ich weiß instinktiv, dass mit der Sperrung der A 57 infolge der Brandstiftung und Massenkarambolage auch die anderen Verbindungen nach Düsseldorf überlaufen sind. Schleichwege um die Autobahn herum machen keinen Sinn, es bleibt nur die A 59, da die dritte Strecke über die A 3 einen zu großen Umweg darstellt. Als ich im Radio höre, dass die A 3 noch von weiteren Unfällen betroffen ist, steht die Entscheidung. Ich starte von Köln-Nippes pünktlich um neun Uhr, also schon nach dem heftigsten Berufsverkehr, der sich allerdings im Laufe der Jahre immer stärker in den späten Morgen ausgedehnt hat.

Und ich stehe schon auf der Verlängerung der Amsterdamer Straße, dem Zubringer zur A 1 und A 59, im Stau. Als langjähriger Pendler habe ich gelernt, auf mehrspurigen Straßen geschickt die schnellste zu nehmen, freie Spuren, die zur falschen Abzweigung führen, zu wählen und dann einzufädeln. Eben typisch Pendler. Jetzt ist aber alles dicht, denn die anderen kennen diese Tricks auch.

Nach 50 Minuten erreiche ich schließlich die A 59 über das Kreuz Leverkusen, danach staut es sich noch etwas, bevor es einigermaßen zügig läuft - bis zum Arbeitsplatz. Doch die Fragen bleiben: Wie lange bleibt die A 57 gesperrt, nur heute, oder auch morgen, oder sogar für längere Zeit, wie es jetzt heißt. Die Brücke, unter der die Brandstifter Kunststoffrohre angezündet haben, habe ihre Statik verloren, wird vermeldet. Das kann ja heiter werden.

80 Kilometer pro Tag lege ich auf der A 57 zurück, der Lebensader des linken Niederrheins. Ich kenne die Strecke von Köln-Innenstadt bis Neuss-Hafen wie meine Westentasche, die Parkplätze, die Autobahnraststätte Nievenheim, die schon einmal Schauplatz eines politischen Skandals um einen Steinmeier-Berater war. Da sind die vielen Brücken, die schon mal wegen Steinewerfern oder jetzt den Brandstiftern bedrohlich wirken können. Und da sind die Baustellen, die sich im Laufe eines Berufslebens entlang der Autobahn bewegten, allesamt mögliche Unfallstellen. Vor allem, wenn man in ihnen die Lkw-Schlange auf der rechten Spur überholt.

Die Unfallgefahr ist immer präsent, mal infolge des dichten Verkehrsaufkommens, mal infolge der Lkw, die die rechte Spur fast für sich einnehmen. Und einmal die Woche fahre ich an einem Unfall vorbei, zuerst im Stau, dann an der Unfallstelle. Warum hat es mich noch nicht erwischt? Liegt es daran, dass ich die Strecke so gut kenne? Aber das macht auch leichtsinnig.

Einmal hätte es beinahe gekracht, als plötzlich auf der Überholspur ein Auto stand. Ich ging voll in die Bremsen, die Sicherheitssysteme ABS und ESP verhinderten Schlimmeres, der Wagen kam rechtzeitig zum Stehen. Ich denke jetzt an die Brücke hinter der Autobahnraststätte Nievenheim, dem Schauplatz des schrecklichen Unfalls. Wie oft bin ich schon durchgefahren, tausende Male. Jetzt war es für einen Mann aus Jüchen eine tödliche Falle. Man mag an so etwas gar nicht denken.

(csi)