Mahnwache vor dem Rathaus Tausend Dormagener zeigen Solidarität mit der Ukraine

Dormagen · Viele Dormagener waren am Freitag Vormittag zur Mahnwache am Rathaus gekommen, um ihre Solidarität mit den Menschen in der Ukraine zu bekunden.

Fotos: Tausend Dormagener setzen ein Zeichen für den Frieden
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Tausend Dormagener setzen ein Zeichen für den Frieden

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Foto: Melanie van Schyndel

Bürgermeister Erik Lierenfeld brachte es auf den Punkt. „Es war beeindruckend, wie viele Menschen gekommen sind, um ein Zeichen gegen den Krieg in der Ukraine zu setzen“, sagte er nach der Mahnwache, die am späten Freitagmorgen vor dem historischen Rathaus in Dormagen stattfand. Über 1000 Teilnehmer waren zu der Kundgebung gekommen. Die Stadt hatte bewusst diesen Tag ausgesucht, denn am darauffolgenden Samstag, 5. März, jährt sich die Befreiung Dormagens durch die alliierten Streitkräfte zum 77. Mal. Lierenfeld verurteilte den Angriffskrieg auf die Ukraine in seiner Ansprache auf das Schärfste. „Krieg ist nie zu rechtfertigen“, so der Bürgermeister. Er lobte diejenigen, die überall auf der Welt gegen den Krieg und Putin protestieren, vor allem die Teile der russischen Bevölkerung, die mutig auf die Straße gehen. „Jeder, der dem Mann im Kreml die Stange hält, ist ein lupenreiner Demokratie-Feind“, sagte der Bürgermeister.

Zum Gedenken an die Opfer des Krieges in der Ukraine und in Gedenken an die Befreiung Dormagens legte der Bürgermeister einen blau-gelben Kranz – den gemeinsamen Farben von Stadt und Ukraine – nieder. Auch Landrat Hans-Jürgen Petrauschke richtete einige Worte an die Teilnehmenden, zudem gab es Redebeiträge von den Pfarrern Peter Stelten und Frank Picht sowie Schülerinnen und Schülern der Rachel-Carson-Schule, des Bettina-von-Arnim-Gymnasiums und des Norbert-Gymnasiums Knechtsteden. Besonders berührend war der Wortbeitrag des Schülers Amat, der aus Syrien stammt und von den furchtbaren Erfahrungen des Krieges und seiner eigenen Flucht berichtete. Untermalt wurde die Kundgebung von Liedern, wie „Imagine“, „Komm, wir ziehen in den Frieden“ oder „We are the world“, die vom Trio Sebastian Schlömer (Gesang/Piano), Ruthilde Holzenkamp (Akkordeon) und Eva Krause-Woletz (Querflöte) gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern gesungen wurden. Zum Abschluss der Kundgebung wurde die ukrainische Nationalhymne gespielt.

 „Stop the war“ forderten die Menschen bei der Friedenskundgebung. Bürgermeister Erik Lierenfeld hielt eine Ansprache.  Foto: D. Staniek

„Stop the war“ forderten die Menschen bei der Friedenskundgebung. Bürgermeister Erik Lierenfeld hielt eine Ansprache. Foto: D. Staniek

Foto: Dieter Staniek

Sichtlich bewegt sangen einige Ukrainer mit. Iryna Gorodyska und ihr Sohn leben seit zweieinhalb Jahren in Dormagen, ihr Mann ist Deutscher. Ihre ganze Familie ist in der Ukraine, viele ihrer Freunde leben dort. „Es ist furchtbar“, sagte sie. Ihre Heimatstadt ist im Zentrum des Landes und auch, wenn sie aktuell nicht direkt umkämpft ist, so fliegen doch Raketen über sie hinweg, erzählt Gorodyska. Sie und ihre Freunde, die sie hier kennengelernt hat, versuchen nun, mit Transporten benötigter Hilfsmaterialien oder Lebensmitteln zu helfen. Eine Flucht kommt für ihre Verwandten nicht in Frage. „Das ist wirklich schlimm und schwierig zu akzeptieren“, beschrieb sie ihre Gefühle. Auch Aleks Gawrilow zeigte sich erschüttert über die Lage in seinem Heimatland. Er ist eher zufällig hier, arbeitet manchmal in Deutschland, lebt aber in der Ostukraine. Seine Mutter arbeitet als Pflegekraft bei einer Dormagener Familie, er möchte nun Asyl beantragen. In die Ukraine zurückzukehren, ist keine Option. „Ich habe Herzprobleme, wie sollte ich da im Krieg kämpfen?“, fragt er sich. Nun muss er von hier zusehen, wie seine Heimatstadt bombardiert und zerstört wird. „Es ist schrecklich“, sagte er. Dankbar sind die Ukrainer über die Hilfsbereitschaft der Menschen. „Es ist toll, dass so viele solidarisch sind. Wir möchten von Herzen Danke sagen“, so Iryna Gorodyska.

 Die beiden Ukrainer sind erschüttert über die Lage in ihrem Heimatland.

Die beiden Ukrainer sind erschüttert über die Lage in ihrem Heimatland.

Foto: Melanie van Schyndel

Wie groß die Solidarität mit den Menschen in der Ukraine ist, wurde bei der Kundgebung deutlich. Viele Schülerinnen und Schüler Dormagener Schulen waren gekommen. „Ich finde es wichtig, ein Zeichen zu setzten“, sagte Farina von der Rachel-Carson-Schule. „Ich finde es wichtig, dass die Leute sehen, dass sie nicht allein sind und dass Putin sieht, dass es besser wäre den Krieg zu stoppen“, meinte ihre Mitschülerin Chantal. Leandro, Schüler der Kurt-Hahn-Klasse an der Schule des Raphaelshauses fand klare Worte: „Ich finde das blöd, weil so viele Leute verletzt werden. Putin soll einfach aufhören, der ist sehr dumm.“ Klassenlehrerin Nina Sillmann war beeindruckt, dass alle Kinder freiwillig an der Kundgebung teilnehmen. Viele Kinder waren im Vorfeld verunsichert, als sie vom Krieg erfuhren. „Wir haben versucht, das in der Schule aufzufangen und über die wichtigen Hintergründe aufzuklären, damit die Kinder sich auch eine eigene Meinung bilden können.“

 Schülerinnen der Rachel-Carson-Schule malten Plakate, um ihre Meinung zu sagen.

Schülerinnen der Rachel-Carson-Schule malten Plakate, um ihre Meinung zu sagen.

Foto: Melanie van Schyndel
 Die Resonanz unter den Dormagenern war riesig. Der gesamt Rathausplatz war voll mit Friedensdemonstranten.

Die Resonanz unter den Dormagenern war riesig. Der gesamt Rathausplatz war voll mit Friedensdemonstranten.

Foto: Melanie van Schyndel
 Schüler der Kurt-Hahn-Klasse aus dem Raphaelshaus möchten zeigen, dass sie gegen den Krieg sind.

Schüler der Kurt-Hahn-Klasse aus dem Raphaelshaus möchten zeigen, dass sie gegen den Krieg sind.

Foto: Melanie van Schyndel
 Anette Tiegelkamp wollte ihre Solidarität bekunden.

Anette Tiegelkamp wollte ihre Solidarität bekunden.

Foto: Melanie van Schyndel

Die Dormagenerin Anette Tiegelkamp war allein gekommen, mit einem großen Schild, auf dem ein blau-gelbes Herz aufgemalt war. „Man kann ja nicht viel machen, aber das ist etwas, das man tun kann, ein Zeichen der Solidarität setzten“, sagte sie. „Ich bin froh, in einer Stadt zu wohnen, wo Menschen zusammenkomme, um für die Werte der Demokratie und der Meinungsfreiheit zu demonstrieren.“ Für eine andere Bürgerin war es das erste Mal, das sie bei einer Demonstration teilnahm. „Ich bin 68 Jahre alt, aber ich habe gedacht, ‚So geht das nicht weiter‘“, erzählte sie. „Das menschliche Leid ist unvorstellbar, wir wollen zeigen, dass wir mitfühlen und mittragen.“

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