Rund 6.000 Besucher kamen Sonntag in den Tannenbusch: Mäusebussard machte Jagd auf Tennisbälle

Rund 6.000 Besucher kamen Sonntag in den Tannenbusch : Mäusebussard machte Jagd auf Tennisbälle

Von Christoph Pütz

Von Christoph Pütz

Bergheim, Viersen, Köln, Düsseldorf - wer am Sonntag den Dormagener Tannenbusch ansteuerte, machte auf dem Parkplatz zahlreiche Autokennzeichen aus Nachbarstädten und -gemeinden aus. Denn bei dem Traumwetter waren mehrere Tausend Menschen gekommen, um im Tannenbusch Tiere zu liebkosen oder sich auf dem weiträumigen Spielplatzgelände mit der ganzen Familie zum Picknick nieder zu lassen. Rudolf, der Platzhirsch: Mittlerweile ist auch das zweite Geweih abgefallen, und nach nur einem Monat hat das Tier schon wieder zehn Zentimeter lange Geweih-Ansätze. Bei den Störchen hat schon das Balzgehabe begonnen, die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald hofft nun auf baldigen Storchennachwuchs. -->

Keine Frage: Sobald die ersten warmen Sonnenstrahlen da sind, wird der Dormagener Tannenbusch zu einem der beliebtesten Naherholungsgebiete weit und breit. Über 100.000 Besucher suchen jedes Jahr den Tannenbusch auf. "An sonnigen Tagen wie jetzt am Sonntag besuchen im Schnitt 6.000 Menschen den Tannenbusch", freut sich Hermann-Josef Kremer, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Dormagen, über die Besucherscharen.

"Über das ganze Jahr verteilt dürften es rund 100.000 Besucher sein." Und nicht nur wegen des Wetters ist der weitläufige Park jetzt besonders attraktiv. Es gibt nämlich auch so einiges Erfreuliches aus den Gehegen zu vermelden. So zum Beispiel von Rudolf, dem Platzhirsch. Vor wenigen Wochen hat er nämlich endlich seine alten Hörner abgeworfen. "Zufällig war ich mit der Kamera dabei und konnte ein Foto davon machen", berichtet Kremer.

Das Geweih, ein kapitaler 26-Ender, ist schon sicher geborgen. Was viele nicht wissen: Rudolf und seine Artgenossen verlieren jedes Jahr von neuem ihr Geweih. Und das wächst dann innerhalb von zwei bis drei Monaten komplett nach. Wer Rudi am Sonntag sah, wie er friedlich seine Kastanien kaute, konnte es kaum glauben: In den vier Wochen seit seinem Geweih-Verlust sind schon mehr als zehn Zentimeter lange Mini-Geweihe nachgewachsen. Wer jetzt Rudi an die "Hörner" fasst, wird erstaunt sein. Die sind nämlich warm.

Kremer erklärt: "Das nachgewachsene Geweih wird durchblutet, erst später wird es nach und nach zu Horn." Bei den Störchen ist Nachwuchs geplant - zumindest von Seiten der Schutzgemeinschaft. Um die Federtiere zum Liebesspiel und zur anschließenden Brutpflege zu animieren, wurde extra eine Nistplatz aus solidem V2-Stahl (Spende der Bayer AG) auf dem Storchengelände installiert. "Die Pfleger haben schon Äste dorthin gelegt, um den Vögeln den Nestbau zu erleichtern. Das Balzgebaren ist schon im Gange", ist Kremer guter Hoffnung. Störche werden im dritten Lebensjahr geschlechtsreif - genau dieses Alter haben die Dormagener Exemplare jetzt erreicht. Im Durchschnitt zehn Jahre werden Störche im Gehege alt.

Interessant: In freier Wildbahn werden die hier selten gewordenen Federtiere nicht etwa älter, sondern sterben früher. "Natürliche Verluste etwa durch die Strapazen beim Vogelzug fallen Weg", beleuchtet Hermann-Josef Kremer. So hat auch Rudolf bessere Lebenserwartungen als frei lebende Artgenossen. Denn Rivalenkämpfe braucht er nicht auszutragen, im Gegenteil: Der glückliche Platzhirsch ist außer Konkurrenz, kann aus mehreren Hirschdamen frei auswählen.

Im Nachbargehege haben die Schweine reichlich Nachwuchs in die Welt gesetzt: Insgesamt elf Frischlinge quieken nun vergnügt. Vor 120 Jahren liefen diese Tiere an gleicher Stelle noch frei herum, gehörten zur natürlichen Fauna. Der Besucherliebling unter den Tannenbusch-Tieren ist zurzeit Charles. Der geduldige Kaltblüter zieht besonders die Mädels an, lässt sich streicheln, ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen.

Kein Vergleich zu Ackergäulen in früherer Zeit, die harte Feldarbeit verrichten mussten. Auch viele andere Überraschungen kann der Besucher des Tannenbusches erleben. Wenn im Volierenbereich plötzlich ein lautes "Hallo" erschallt, steckt meist die sprachbegabte Elster dahinter.

Und auch über den Mäusebussard gibt es eine Anekdote zu erzählen: "Normalerweise ernährt sich diese Tierart von Hühnerküken im gelb-flauschigen Federkleid. Als unser Bussard noch in freier Wildbahn lebte, war er so auf die Farbe fixiert, dass er in der benachbarten Tennisanlage mehrfach die gelben Bälle als Beute in seinem Schnabel trug."

Geopark und Tierpark Tannenbusch sind das ganze Jahr über von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Führungen können unter der Rufnummer 02133/92477 vereinbart werden. Auch waldpädagogische Führungen sind nach Absprache möglich.

(NGZ)
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