Dormagen: Löschen mit Jet-Triebwerken

Dormagen : Löschen mit Jet-Triebwerken

Dormagen Der rote Feuerwehr-Lkw steht unauffällig im Gelände - ein Mercedes Kipper auf Allrad, 8,60 Meter lang. Nur die Aufschrift "Turbo-Löscher" verrät die Besonderheit. Christian Waidele von der Werkfeuerwehr des Chemieparks Dormagen gibt das Signal zum Start. Es dröhnt, es zittert, die Luft flirrt: Zwei Alpha-Jet-Triebwerke entfalten ihre ganze Kraft mit 23 000 Umdrehungen pro Minute, einer Tonne Schub pro Triebwerk.

Dormagen Der rote Feuerwehr-Lkw steht unauffällig im Gelände - ein Mercedes Kipper auf Allrad, 8,60 Meter lang. Nur die Aufschrift "Turbo-Löscher" verrät die Besonderheit. Christian Waidele von der Werkfeuerwehr des Chemieparks Dormagen gibt das Signal zum Start. Es dröhnt, es zittert, die Luft flirrt: Zwei Alpha-Jet-Triebwerke entfalten ihre ganze Kraft mit 23 000 Umdrehungen pro Minute, einer Tonne Schub pro Triebwerk.

Doch angetrieben wird mit dieser ungeheuren Kraft kein Düsenjet, sondern ein Löschstrahl. Ein Strahl, der sich in dichtem feuchten Nebel auflöst. Da gibt es kein Entrinnen für die Flammen. Der Löschstrahl bietet nach Angaben von Dr. Heinz Hammer, Leiter der Werksicherheit im Chemiepark eine geradezu ideale Ergänzung des Fuhrparks der Werkfeuerwehr. Präsentiert wurde das Gerät am Montag am Ethancracker bei Ineos.

Zum Einsatz kommt der Turbo-Löscher - insgesamt gibt es nur drei Stück in Deutschland - vorwiegend bei großen Schadensereignissen. Laut Hammer kann das Gerät dabei seine ganze Kraft ausspielen: schnell und zuverlässig großflächige Brände löschen; bei Produktaustritten Dämpfe niederschlagen und Stoffe binden; Metalle wie Stahl bei Bränden kühlen und damit die Stabilität erhalten und im großen Stil Räume entlüften und Rauch abziehen.

Gekostet hat das neue Gerät etwa 850 000 Euro, 300 000 Euro steuerte Chemiepark-Partner Ineos bei, der die größten Anlagen im Chemiepark unterhält. Eine gute Nachricht für alle Bewohner der Umgebung: Bei Großschadens-Lagen kann der Turbo-Löscher ebenfalls angefordert werden. Er steht auch zur Verfügung für die Chemieparks in Leverkusen und Uerdingen sowie im Rahmen der Hilfeleistungen der Chemischen Industrie bei größeren Schadenereignissen. Kreis-Brandmeister Reinhard Seebröcker zeigte sich beeindruckt: "Damit haben wir gerade bei schwierigen Einsatzlagen ein gutes Gefühl, im äußersten Notfall auf ein solches Gerät zurückgreifen zu können." Er denkt zum Beispiel an die Unternehmen im Rhein-Kreis Neuss oder einen Unfall mit einem Chemielaster auf der Autobahn. Binnen drei Minuten ist der Turbo-Löscher startbereit.

Insgesamt vier Millionen Euro hat sich Chemiepark-Betreiber Bayer Industry Services in den vergangenen beiden Jahren die standortübergreifenden Fahrzeug- und Sicherheitskonzepte kosten lassen. "Sicherheit der Mitarbeiter und der Nachbarschaft hat höchste Priorität für uns", so Chemieparkleiter Dr. Walter Leidinger. Dormagen wurde als Standort gewählt, weil dort vor allem Anlagen mit Gefahrenpotenzial arbeiten.

Das Löschprinzip ist einfach, aber ungemein wirkungsvoll: In den durch die Triebwerke produzierten Luftstrahl wird aus einem Tanklöschfahrzeug Wasser eingespeist - bis zu 8000 Liter pro Minute. Die Flüssigkeit wird zerstäubt, es entsteht der gewünschte Effekt des Wassernebels. Er kann laut Hammer eine Fläche von 3500 Quadratmetern abdecken und reicht bis zu 150 Meter hoch. Durch diese Kraft können auch Brände in schwer zugänglichen Einsatzorten bekämpft werden. Ein weiterer Vorteil: "Mit dem Gerät können wir Brände aus größerer Entfernung bekämpfen."

Langsam lässt der Strahl nach, die Turbinen werden gedrosselt, der Lärm ebbt ab. Der Ethancracker der Krackeranlage 5 bei Ineos glänzt so sauber wie selten. Die beste Nachricht hat Christian Waidele: "Im Ernstfall wurde der Turbo-Löscher noch nicht gebraucht." Und der ist ein halbes Jahr im Dienst.

(NGZ)
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