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Literaturabend in Dormagen-Zons: Rabenschwarzer Humor von Wilhelm Busch

Literaturabend in Dormagen-Zons : Rabenschwarzer Humor von Busch

Kultur- und Heimatfreunde Zons veranstalteten einen Wilhelm-Busch-Abend. Seinen großen Auftritt hatte am Dienstag Rezitator Günter Trunz aus Lüdinghausen.

Wer kennt nicht ihn und seine Geschichten? Oder ist Wilhelm Busch mittlerweile doch eine Frage der Generationen? Die zahlreichen Besucher in der Nordhalle des Zonser Kulturzentrums fochten solche Fragen gar nicht an. Sie waren mit den Comic-Figuren des Manns aus dem niedersächsischen Wiedensahl wohlvertraut und vollendeten so manche angefangene Verszeile.

Seinen großen Auftritt hatte am Dienstag Rezitator Günter Trunz aus Lüdinghausen. Und ihm zur Seite stand Karl Kress, Vorsitzender der gastgebenden Kultur- und Heimatfreunde Stadt Zons, der eine regelrechte Zons-Romanze des Dichters und Malers ausgegraben hatte. Hinzu kam Kress’ Vorgängerin Angelika Dappen mit ins Rheinische gewandelten „Verzällcher“ – etwas, auf das sie sich auch bei ihren beliebten Führungen als „Zonser Waschweib“ hervorragend versteht. Weitere tolle Beiträge kamen von Hermann Kienle, der sich mit der Zonser Mühle beschäftigte, der rheinisch nachdichtenden Christa Stumps mit „Flitsch und Flätsch“ sowie mit „Plisch on Plum“ als dem „siebd Kabidel“ vom Moselländer Karl Heinz Stumps.

So war der ganze Abend eine runde Angelegenheit, wenn auch eine mit unverkennbaren Ecken und Kanten. Mit „perdatsch“ kommentierte Wilhelm Busch höchstselbst seine deftigen Pointen, wenn wieder einmal einer hereingelegt wurde. Und gelegentlich blieb sogar das Lachen im Halse stecken. „Die Geschichten enden meist dramatisch“, referierte Günter Trunz. „Bosheit ist kein Lebenszweck“ lautet ein Zitat, ein anderes signalisiert Erleichterung: „Gott sei Dank, jetzt ist’s vorbei mit der Übeltäterei.“

„Der Meister des rabenschwarzen Humors“ kam an diesem Abend in Zons ausgiebig zu Wort. Als bewusster Protestant outete Wilhelm Busch seine satirische Einstellung zur katholischen Kirche, festzumachen beispielsweise an „Der Heilige Antonius“. Klerikale Bigotterie wird in der „Frommen Helene“ aufgespießt. Grausam geht es bei „Max und Moritz“ zu, wobei deren Streiche der frühen Freundschaft von Wilhelm Busch mit Erich Bachmann nachgezeichnet sind.

Referent Günter Trunz meisterte den Vortrag der powerpoint-gestützten Bilder und Texte glänzend. Die einmalige Busch-Doppelbegabung kam ihm dabei sehr zugute. Zum belustigenden und fast immer nachdenklich stimmenden Eindruck trug auch die lautstarke Mitarbeit des Zonser Publikums bei. „Vetter Franz hat nun mal ’nen Hang zum Küchenpersonal“ ist längst ein Klassiker. Und Kultstatus genießt „Wer Sorgen hat, hat auch Likör“. Ganz zu schweigen von „Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben“.