1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Dormagen: Lernen für die zweite Chance

Dormagen : Lernen für die zweite Chance

Zum Bildungsauftrag der Volkshochschule gehört das Anbieten von Kursen für junge Menschen, die einen höherwertigen oder überhaupt einen Schulabschluss machen wollen.

"Für viele ist es die letzte Chance — aber manche ergreifen sie nicht." Wenn Petra Rogge, als Programmbereichsleiterin der Volkshochschule Dormagen unter anderem verantwortlich für den Bereich "Zweiter Bildungsweg", über die Schulabschlusskurse spricht, verbindet sie Verständnis für so manche Schwierige Ausgangs- und Lebenssituation mit Konsequenz. "Ich werde wütend, wenn sich junge Menschen, die zwei Jahre dabei sind, kurz vor dem Abschluss eine Auszeit gönnen", sagt sie.

Die Kurse sind keine Beschäftigungstherapie, sondern Grundlagenarbeit. "Es geht nicht nur um Wissen. Es geht um Disziplin, Pünktlichkeit, grundlegende Arbeitstugenden", erklärt sie. Die Lehrer leisten Erziehungsarbeit für junge Menschen, die eine Perspektive erhalten sollen nach Rückschlägen und Misserfolgen, nach Jahren ohne Orientierung. Früher waren die Kurse, die am Spätnachmittag beginnen und vier Stunden dauern, für Berufstätige, die weiterkommen wollten. Heute sitzen hier überwiegend junge Erwachsene, die eine zweite Chance bekommen.

Wie Rene Mausberg. Er verließ die Schule mit Abgangszeugnis, also ohne Abschluss, absolvierte dann eine Lehre zum Fach-Lageristen. Ein Unfall bremste ihn aus, er suchte wieder Arbeit. Sein Problem: "Ich musste in Bewerbungsgesprächen immer wieder erklären, dass ich durch die Berufsschule sehr wohl einen Schulabschluss habe." Da das aber kaum jemand versteht, geht er jetzt systematisch vor. "Ich will nicht mehr zuhause sitzen", sagt der 22-jährige Delrather. An den Kursen schätzt er den Spaß im Unterricht. "Die Gruppe stimmt, die Lehrer hören besser zu, ich kann mehr nachfragen — es ist nie so, dass ich keine Lust habe, zu kommen."

Sarah Woznitzka aus Zons steht kurz vor der Fachoberschulreife. Die 21-Jährige, die sich tagsüber um ihre zweieinhalb Jahre alte Tochter Leonie kümmert, hat große Pläne: "Ich will Abitur machen und studieren, Ingenieurin werden", sagt sie. Die Realschule hat sie in der 10. Klasse verlassen. "Ich war schlecht in der Schule, jetzt geht mir das Lernen leicht von der Hand", sagt sie. Warum? "Ich bin reifer geworden. Ich weiß jetzt, wofür ich es mache."

Es ist die Einstellung, die zählt. Denn die VHS-Schulabschlusskurse sind kein Auffangbecken. Die Teilnehmer werden ausgesucht, wie Petra Rogge betont. Wir machen allen klar, dass es auf ihr Verhalten ankommt. Die Teilnehmer müssen ihre Chance nutzen."

(NGZ)