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Dormagen: "Leibniz" ohne Rassismus und Gewalt

Dormagen : "Leibniz" ohne Rassismus und Gewalt

80 Prozent der Schulgemeinschaft hat unterschrieben: Gestern wurde dem Leibniz-Gymnasium in einer Feierstunde der Titel "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" verliehen. Aufklärung soll Diskriminierung vorbeugen.

80 Prozent der Schulgemeinschaft hat unterschrieben: Gestern wurde dem Leibniz-Gymnasium in einer Feierstunde der Titel "Schule ohne Rassismus — Schule mit Courage" verliehen. Aufklärung soll Diskriminierung vorbeugen.

Dem Leibniz-Gymnasium wurde gestern der Titel "Schule ohne Rassismus — Schule mit Courage" verliehen. Zur Feierstunde kam auch der Berliner Streetworker und Buchautor Fadi Saad, den einige Schüler bereits bei seinen Vorträgen erlebt haben und der nun als Pate für die Aktion einsteht.

"Die Schüler gehen mit ihrer Unterschrift vielleicht den ersten Vertrag ihres Lebens ein. Sie verpflichten sich zu Toleranz, Akzeptanz, Respekt und Wertschätzung ihren Mitmenschen gegenüber", sagt der 33-Jährige. "Darauf bin ich stolz und ich werde sie nach Kräften bei ihrem Projekt unterstützen."

Der selbst ernannte "Deuraber" — Deutsch-Araber — weiß, wovon er spricht, wenn es um Vorurteile geht. Er hat ihre Macht einst selbst erlebt, als er seiner Mutter sagte, dass er eine Deutsche heiraten wolle. "Meine Mutter hat angefangen zu fluchen. Und dann haben unsere Mamis noch eine zweite Stärke: Weitwurf. Mit Hausschuhen, Schuhlöffeln, Gabeln, eben allem, was sie finden können", kommentiert Saad die Reaktion seiner Mutter. Dafür erntet er schallendes Gelächter. Und beifälliges Gemurmel, als er erzählt, dass er die Frau trotzdem geheiratet hat und mit ihr glücklich geworden ist.

Initiiert wurde das Projekt vom "Schule-ohne-Rassismus"-Team um Lukas Suckel: "Wir haben es dem Engagement von Mehmet Güneysu, dem Vorsitzenden des Integrationsrates zu verdanken, dass wir dieses Projekt in Angriff genommen haben. Unser Dank gilt auch unseren Schülervertretungslehrern, die uns immer unterstützen", sagt der Schüler. Für die Verleihung des Titels musste die Schule zwei Kriterien erfüllen: Zum einen sollten die Schüler Projekte und Aktionen zum Thema Gewalt und Rassismus durchführen.

Außerdem mussten sich mindestens 70 Prozent aller Schüler und Lehrer in einer Abstimmung für eine Schule ohne Gewalt aussprechen — am Leibnitz-Gymnasium haben fast 80 Prozent ihre Unterschrift geleistet. "Jeder ist ein Gestalter — nicht nur seines eigenen Umfeldes, sondern auch der Institutionen, in denen er lernt oder arbeitet. Ich freue mich, dass wir zur immer größer werdenden Schar von Schulen, die diesen besonderen Titel tragen dürfen, gehören", sagt Schulleiter Herbert Kremer. Überreicht wurden die Urkunde und das Blechschild, das ab sofort das Engagement der Schülerschaft nach außen symbolisieren wird, von Goran Sucec, Mitarbeiter der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA Rhein-Kreis Neuss).

"Den Titel zu tragen bedeutet eine Selbstverpflichtung für jeden Einzelnen, Diskriminierung jeder Art entgegenzustehen und nicht wegzuschauen", so Sucec. Das Thema sei aktuell und werde es auch immer bleiben. "Häufig geht es um Respekt. Respekt bekommt man aber nicht geschenkt oder durch Gewalt verliehen. Man muss ihn sich erarbeiten."

Im Sinne des Projekts und im Sinne ihres Paten Fadi Saad wollen die Leibniz-Gymnasiasten vor allem eines: Aufklären. Regelmäßige Aktionen sollen die Themen Diskriminierung, Fremdenhass oder Mobbing immer wieder aufgreifen und vertiefen. Mehmet Güneysu: "Unsere Gesellschaft hat eine Farbe: Sie ist bunt wie wir hier heute sitzen. Hier gibt es keinen Nährboden für extremistisches Gedankengut. Uns kommt es darauf an, mit konkreten Maßnahmen das Vertrauen der Migranten zu gewinnen."

(NGZ/rl)