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Lehrerin Charlotte Rettig nimmt Abschied von der Musikschule Dormagen

Musiklehrerin für 34 Jahre : Charlotte Rettig nimmt Abschied von der Musikschule Dormagen

Dormagen. Nach eigener Aussage „unglaubliche“ 34 Jahre war Charlotte Rettig Lehrerin an der Musikschule Dormagen. Selbst zu spielen, zu singen, im Kabarett aufzutreten und vor allem das Unterrichten fügen sich bei ihr zu einem imponierenden Gesamtbild.

„Musik gehört zu mir“, sagt sie beinahe beiläufig, um anzufügen: „Sie ist meine Liebe.“ Das provoziert sogleich Nachfragen nach Schwerpunkten und kompositorischen Lieblingen. Im Augenblick sei das Klavierspielen bei ihr wieder wichtig geworden, und das beruhe schlicht auf ihrem jahrzehntelangen Unterricht am Piano. Die ganz Großen Mozart, Bach und Chopin haben sich über die Jahre als ihre eindeutigen Favoriten herausgestellt.

Mit dem schulischen Schlussstrich geht Charlotte Rettig gefasst und völlig unsentimental um. „Ich lasse das auf mich zukommen“, wartet sie ab. Es müsse sich eben zeigen, wie das freie Musizieren sich in ihre durchgetaktete Woche einfügen ließe. In solchen Dingen weist ihre Vita jahrzehntelange Übung nach. So folgte auf das Studium von Klavier und Gesang an der Musikhochschule Köln 1985 die Musikschule Dormagen.

Mit neun großen Musical-Produktionen in Zusammenarbeit mit Dormagener Grundschulen hat sie erfahren, wie wichtig nicht nur Teamarbeit ist, sondern auch  der Blick über den Tellerrand. Dazu gehört vor allem ihr Faible für Kleinkunst und Chanson. Mit beidem stand sie in Dormagen oft auf der Bühne, begleitet von Steve Nobles. „Das gab mir Bühnensicherheit für Moderationen in den unzähligen Veranstaltungen unserer Schule“, erinnert sie sich heute. Weitere freie Auftritte als Chansonnière und Kabarettistin nimmt Charlotte Rettig demnächst fest in den Blick. 

Die Kindermusicals wirken bei ihr immer noch „als beglückende Erlebnisse“ nach. Dabei standen nicht immer anspruchsvolle klassische Werke im Vordergrund, sondern kam auch Populärmusik zu ihrem Recht. „Für manche heute längst Erwachsene bleibt das in der Erinnerung ein wahres Highlight.“  Kinder haben sie immer sehr interessiert, und wenn es besonders talentierte waren, hat sie auf deren Weiterentwicklung geachtet. Gelegentlich reichte ihre pädagogische Betreuung von der Vorschule bis zum Abitur.

Weil die Schüler oft den schnellen Erfolg suchen, den es in der Musik aber nicht gibt, ist leider die Abbrecher-Quote recht hoch. „Auch kleine Fortschritte muss man als Lehrkraft loben, um weiter zu motivieren“, verweist Charlotte Rettig auf den manchmal recht tristen Übungs- Alltag. Bei solchen Herausforderungen erwiesen sich oft genug musiktherapeutische Fähigkeiten der Lehrkräfte als dringend. Aber dann bricht sie auch eine Lanze für die Lernenden, die zu drei Vierteln Mädchen sind: „Bedenken Sie den langen Schulbetrieb, an den sich dann noch die Musik anschließt.“

Man glaubt es ihr aufs Wort, dass sie ihre Schüler und Schülerinnen, deren Alter von 5 bis 74 Jahren reichte, zu nehmen wusste und es große Lehrerfolge gab. „Mir kam es immer darauf an, Anlagen zu respektieren und zu fördern.“ Mit der gesellschaftlichen Entwicklung gingen die Musikstile in die Breite. Jazz habe längst seinen Platz gefunden, Pop werde zunehmend unverzichtbar. „Musizieren“, und damit bleibt Charlotte Rettig ganz bei sich, „funktioniert jedoch nur über die Vermittlung traditioneller Techniken.“