Dormagen: Legionellen in neun Schul-Turnhallen

Dormagen : Legionellen in neun Schul-Turnhallen

Bereits im Herbst vergangenen Jahres hat die Stadt festgestellt, dass Duschräume an neun Schul-Turnhallen mit Legionellen befallen sind. Besonders schlimm ist es an der Dreifachhalle Nievenheim, wo der Nassbereich gesperrt ist.

In den Duschräumen von neun Dormagener Schulen hat das Kreisgesundheitsamt im vergangenen Herbst Legionellen gefunden. Diese Zahl nannte am Donnerstag Schuldezernentin Tanja Gaspers auf Anfrage unserer Zeitung.

Während an acht Schulen der Wert nicht so bedrohlich hoch war, dass die Duschen geschlossen werden mussten, liegt der Fall bei der Dreifachhalle an der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule dramatisch anders. Bis heute sind die Nassbereiche gesperrt. Die komplette Warmwasser-Aufbereitungsanlage muss ausgetauscht werden. Liegt der Wert für eine sehr hohe Kontamination mit koloniebildenden Einheiten, so der Fachterminus, bei ab 10 000 Einheiten, so wurden in Nievenheim Messwerte zwischen 13 200 und 200 000 erreicht.

Die seit dem 1. November 2011 verschärfte Trinkwasserverordnung schreibt privaten Vermietern und Kommunen eine jährliche Prüfung der Warmwasseraufbereitung vor. Dabei wurde im September und Oktober festgestellt, dass an neun Schulstandorten die Werte über der Grenze lagen, ab der eine Kontamination mit Legionellen gilt. Im einzelnen betroffen sind: Eine mittlere Kontamination zwischen 100 und 1000 Einheiten wiesen die Turnhallen-Standorte in Horrem, Rheinfeld, an der Chorbuschschule (zwei Anlagen), Salvator-Schule, Dreifachhalle Konrad-Adenauer-Straße sowie in der Mensa in Nievenheim auf. Eine mit 1900 bis 2400 Einheiten hohe Kontamination wurde in der Grundschule in Gohr festgestellt, die sehr hohe Belastung in der Dreifachturnhalle Nievenheim. Bis auf Nievenheim seien keine Schließungen der Duschräume notwendig gewesen.

Warum die Stadt mit dem Legionellen-Befall nicht in die Öffentlichkeit gegangen ist, erklärt die Schuldezernentin so: "Wir haben die unmittelbar Betroffenen, also Schulen und Vereine, informiert." Gaspers erklärt, man habe sofort die Vorgaben des Kreisgesundheitsamtes umgesetzt. Die sahen eine Spülung und Desinfektion der Leitungen und der Aufbereitungsanlagen vor. Die Spülungen seien, so Gaspers, in den Herbstferien erfolgt, die Desinfektionen würden nach den entsprechenden Vergaben im Januar "laufend" erfolgen. Größtes Sorgenkind ist die stark belastete Anlage in Nievenheim, wo die Reinigungsmaßnahmen keinen Erfolg hatten und das Wasser weiterhin sehr hohe Legionellen-Werte hat. "Wir werden die Anlage austauschen", sagt Gaspers. "Die Auftragsvergabe erfolgt Ende Januar, wir rechnen im März mit der Freigabe der Duschräume."

Die Kosten für die neue Aufbereitungsanlage betragen 30 000 Euro. Gaspers hält das Alter der Nievenheimer Anlage für den Hauptgrund, warum sich die Legionellen so hartnäckig halten. "Vielleicht hat die erforderliche Wassertemperatur in dem Speicher nicht ausgereicht", vermutet sie. In den Warmwasser-Vorratsbehältern und in "Totleitungen", so sagt Michael Dörr, Leiter des Kreisgesundheitsamtes, liegen die Nährböden für die Keime. "Es hat de facto keinen Hinweis für eine daraus resultierende Erkrankung gegeben."

(NGZ/ac)
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