Dormagen : Leben mit links

Am Montag ist internationaler Linkshändertag: Linkshänder begegnen in Freizeit und Beruf immer wieder Herausforderungen. Wie sie dem auf Rechtshänder auslegten Alltag begegnen, erklären Dormagener in der NGZ.

Sandra Moll meistert ihren Alltag mit links. "Ich habe schon von klein an mit der linken Hand gearbeitet", sagt die 37-Jährige. Klicks auf der Computermaus macht sie mit der rechten Hand so wie viele Arbeiten im Büro oder im Haushalt. Dass sie Linkshänderin ist, fällt kaum auf — auch langjährigen Kollegen. "Ich habe viele Handgriffe und Tätigkeiten mit rechts gelernt. Auch mein Wurfarm ist der rechte", erklärt sie.

Geschrieben wird allerdings mit links. Inzwischen gibt es jede Menge Produkte für Linkshänder: Scheren, bei denen die Klingen besonders angeordnet sind, Dosenöffner und Korkenzieher, die in gespiegelter Form produziert werden oder Füller. Gegenstände, die den Linkshänderalltag erleichtern sollen.

Sandra Moll arbeitet im Büro eines Logistikunternehmens. Dort irritiert ihre Linkshändigkeit nicht. "Ich habe einige Kollegen, die Linkshänder sind. Im Berufsalltag fällt es gar nicht sonderlich auf, dass ich vieles mit der anderen Hand erledige", erklärt sie. So habe eine Kollegin erst nach mehreren Jahren durch Zufall im Büro bemerkt, dass sie Linkshänderin sei.

Auf die erwähnten Hilfsmittel wie Linkshänderscheren und besondere Haushaltsprodukte verzichtet Sandra Moll. Im Kindergarten waren diese jedoch auch für sie üblich. Dort werden Linkshänderscheren, die das präzise Schneiden ermöglichen sollen, auch weiterhin verwendet. "Bei uns soll jedes Kind seinen Körper so einsetzen wie es dies möchte", macht Maike Saidler deutlich.

Als Gruppenleiterin in der Kindertagesstätte "Rappelkiste" betreut sie auch linkshändige Kinder. "Ein besonderes Förderprogramm gibt es über die Scheren hinaus nicht", fasst Maike Saidler zusammen. Erst ab dem vierten oder fünften Lebensjahr stehe bei Kindern ohnehin fest, welche Händigkeit sie haben. "Wir beobachten welche Hand die Kinder zum Beispiel beim Basteln intuitiv nutzen und geben Eltern Hinweise. Natürlich trainieren wir aber kein Kind um", sagt sie. Linkshändigkeit sei schließlich völlig normal. Dass Umerziehen einmal Gang und Gäbe war, weiß Sandra Moll: "Meine Mutter wurde umerzogen. Ob das auch bei mir versucht wurde, weiß ich gar nicht mehr."

Das Thema Händigkeit spielt auch im Sport eine Rolle. "Für mich ist es normal, gegen Rechtshänder zu spielen", sagt Mario Goebbels. Beim Tischtennisclub Dormagen spielt er in der ersten Mannschaft. "Für einige Gegner ist es zunächst schwierig, dass ich Linkshänder bin", erklärt er. So spielten diese ihm stets auf seine starke Vorhand. "Wenn wir Doppel spielen, haben wir einen gewissen Vorteil, da wir als Team mit einem Rechts- und einem Linkshänder die gesamte Platte abdecken können", ergänzt er.

(NGZ)