Lauf-Olympiasieger Dieter Baumann in Dormagwen

Der Olympiasieger Dieter Baumann in Dormagen : Erst lachen, dann laufen mit Baumann

Der 5000 Meter-Olympiasieger ist ein gefragter Comedian. Sein neuestes Programm stellte er in der Theaterscheune laufenderweise vor. Tags drauf war er mit Fans im Straberger Wald statt auf dem Laufband unterwegs.

Mehr als 150 Besucher erlebten beim Theatersommer in Knechtsteden eine Laufleistung der absolut besonderen Art. Mit seinem vierten Soloprogramm „Dieter Baumann läuft halt!“ war der bekannte Langstreckenläufer Dieter Baumann (53) zum zweiten Mal in Knechtsteden. Was das Publikum ausnahmslos begeisterte, war die Tatsache, dass er sein Kleinkunstprogramm über nahezu 90 Minuten laufender Weise absolvierte.

Der Olympiasieger Dieter Baumann erzählt in seinem Kabarettprogramm wahrlich laufend aus seinem Leben. Foto: Tinter, Anja (ati)

Dazu hatte er ein Laufband mitgebracht, das zwischen 4,6 km/h und 20 km/h eingestellt war. Die schnelle Version allerdings hielten die Sicherungen des Kulturhofes nicht lange durch. Fest steht damit, dass Dieter Baumann der beste Läufer aller Comedians ist. Mehr noch: Zu zwei Songs, darunter „Everybody needs Somebody“ der Blues Brothers, tanzte er vollendet auf dem Laufband. Das Programm ist ein Lauf durch sein Leben, am Beispiel der 100 Kilometer von Biel, die er 2011 lief.

Im Dauerregen und zumeist ohne Zuschauer läuft sein Leben an ihm vorbei. Natürlich die Höhepunkte: Europarekord über 5000 m (Zürich 1997), die Silbermedaille 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul, das Finish von Barcelona (1992), wo er Gold gewann. Beeindruckend die eingespielte Live-Reportage, als er die letzten 100 m in 11,9 lief. Aber auch die Misserfolge beschreibt er, zum Teil ironisch, etwa den Hamburg-Marathon (2002), den er bei Kilometer 28 aufgab, oder die Zahnpasta-Affäre, die zu einer Dopingsperre führte.

Das alles erzählte er im Lauf auf einem bei meist 10 km/h eingestellten Band. Und was erstaunen musste: Der Redefluss war zu keinem Zeitpunkt eingeschränkt, nur wenige Schweißtropfen waren auszumachen. Dabei hatte er noch Zeit für Überlegungen mit dem Publikum. Als Baumann zum Schluss seine Lebensgeschichte mit einem verblüffenden Zauber beschloss, wurden Staunen und Begeisterung im Publikum zur Einheit.

Tags drauf gab’s dann Laufen ohne Comedy. 15 Läufer machten sich auf den Weg vom Straberger Stadion aus. Mittendrin Dieter Baumann, der auf der zehn Kilometer langen Runde bereitwillig Rede und Antwort zu seinem Kabarett, seinen Erfolgen als Läufer und seinem Alltag. „Dieter Baumann läuft halt“ –der Titel seines Kabarettprogramms beschreibt ihn auch sehr treffend. „Ich versuche immer noch, jeden Tag zu laufen“, sagt der 53-Jährige. „So 20 faule Tage im Jahr habe ich, mehr aber auch eigentlich nicht.“

Dementsprechend gerne bot er auch eine kurze Laufeinheit am Tag nach seinem Auftritt in der Theaterscheune an. „Ich lauf sowieso, das kann ich auch hier und in Gesellschaft machen“, so Baumann. Vor vier Jahren fragten die Straberger zum ersten Mal an und immer wieder kommen sowohl Dieter Baumann als auch einige seiner Zuschauer gerne zu dem Lauftreff. Solche Anfragen sind nicht selten: „Ungefähr bei der Hälfte meiner Auftritte laufe ich am nächsten Tag noch eine kleine Runde“, erzählt der Tübinger.

So machte sich die kleine Truppe von Hobbyläufern mit dem ehemaligen Olympiasieger auf die Runde des Straberger Volkslaufes, passend zu den hohen Temperaturen führt diese größtenteils durch den schattigen Wald. Bei lockerem Tempo ließ Dieter Baumann sich fast eine Stunde lang ausfragen. Wo die Idee herkam, eine Comedy-Show komplett auf dem Laufband zu machen, wie viele Tanzstunden für die Drehungen auf dem Laufband nötig waren, wie oft er dabei runtergefallen ist und ob seine nächste Station dann Let’s Dance sei. Bei Fassbrause und Wassermelone im Stadion gab er dann noch einige Anekdoten aus seiner Läuferkarriere zum Besten, wie er sich in Südkorea einen maßgeschneiderten Anzug kaufte und sich vor seinem Sieg in Barcelona neben Arnold Schwarzenegger am Frühstückstisch saß. „Solche Fragerunden machen immer Spaß“, sagt Baumann. „Wenn ich ein neues Programm habe, komme ich gerne wieder.“

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