Landrat lehnt Videoüberwachung am Bahnhof ab

Bahnhof Dormagen : Landrat lehnt Videoüberwachung ab

Die Stadt befürwortet eine Videoüberwachung für den Bahnhofsvorplatz, um für mehr Sicherheit zu sorgen. Doch laut Landrat Hans-Jürgen Petrauschke ist dort keine auffällige Häufung von Straftaten festzustellen.

Beim Thema Sicherheit gehen schnell die Emotionen hoch. Vor allem, weil es häufig einen starken Unterschied gibt zwischen dem persönlichen Empfinden der Bürger und den Zahlen und Daten, die Ordnungsämter oder Polizei dem entgegenhalten. So auch jetzt beim Vorstoß für eine Videoüberwachung vor dem Bahnhof. Die Initiative geht von Bürgermeister Erik Lierenfeld (SPD) aus, der sich mit diesem Anliegen an Landrat Hans-Jürgen Petrauschke (CDU) als Chef der Kreispolizeibehörde gewandt hat. Von dort kommt aber eine klare Absage:Weil es dort keinen Kriminalitätsschwerpunkt gibt, „muss ich eine Videoüberwachung ablehnen“.

Die Stadt reagiert enttäuscht. Erster Beigeordneter Robert Krumbein sagt: „Die Videobeobachtung wäre eine wichtige Ergänzung unseres Gesamtkonzepts für mehr Sicherheit auf dem Bahnhofsvorplatz. Durch die verstärkte Präsenz unseres Ordnungsamts, eine enge Zusammenarbeit mit der Polizei und verschiedene bauliche Veränderungen konnte das Sicherheitsgefühl der Menschen dort bereits deutlich verbessert werden. Und genau daran werden wir weiterarbeiten – mit Videobeobachtung oder ohne.“

Die Stadt weist darauf hin, dass sich derzeit Kameras in der Decke des Tunnels zu den Gleisen befinden. „Die sind jedoch nicht an die technischen Anlagen der Bundespolizei angebunden“, merkt Lierenfeld in seinem Schreiben an den Landrat an. Das liege offenbar am Datenschutz, auf den die Deutsche Bahn bislang verwiesen habe. Lierenfeld: „Im Laufe der letzten Jahre ist allerdings eine gegenläufige Tendenz zur Videoüberwachung an bestimmten Standorten feststellbar.“ Er betont, dass sich Stadt sowie Geschäftsführung der Stadtbad- und Verkehrsgesellschaft Dormagen (SVGD) eindeutig für eine Videoüberwachung der Bahnhofsvorplätze sowie des Tunnels aussprechen. Die SVGD hat ihren Sitz im neu gebauten Bahnhofsgebäude. Die Stadt argumentiert auch in diese Richtung, dass im Laufe der letzten Jahre die für den öffentlichen Verkehr zuständigen Zweckverbände mittlerweile Bildaufzeichnungen an bestimmten Orten fordern. Lierenfeld forderte Petrauschke auf, die „Genehmigung für die Videoüberwachung mit Fertigstellung der Baumaßnahme am Bahnhof Ende des nächsten Jahres zu ermöglichen“.

Aus dem Kreishaus kommen allerdings keine positiven Signale. Zu unauffällig ist der Bahnhof in Dormagen, um eine Videoüberwachung zu rechtfertigen. Der Landrat hält dem Wunsch aus dem Dormagener Rathaus Fakten entgegen: „Eine Auswertung der polizeilich registrierten Straftaten in dem Bereich des Bahnhofs, der in die Zuständigkeit der Kreispolizeibehörde fällt, bildet keine bedeutsame Kriminalitätsentwicklung ab und rechtfertigt keine Videoüberwachung durch die Polizei.“ Demnach hat es im ersten Halbjahr im Bahnhofsbereich 39 Strafanzeigen gegeben, alleine 18 wegen Fahrraddiebstahls. Sieben Mal ging es um Körperverletzung. Das ist anderer Stelle völlig anders. Es ist anerkannt, so der Landrat, „dass der offene Einsatz von Video-Beobachtungsmaßnahmen an ausgewiesenen Kriminalitätsbrennpunkten im öffentlichen Raum ein geeignetes Mittel sein kann, um die Polizei bei der Verfolgung von Straften wirksam zu unterstützen“. Oder dass es gar nicht erst dazu kommt. Petrauschke: „Im Rahmen eines Gesamtkonzepts kann die Aufklärung von Straftaten gesteigert und auch das Sicherheitsgefühl der Bürger verbessert werden“. Aber nicht in Dormagen, wegen zu geringer Zahl an Straftaten.