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Kultur in Dormagen: Marienkult und Mystik beim Festival Alte Musik

Kultur in Dormagen : Marienkult und Mystik beim Festival Alte Musik

Mit der gregorianischen Nacht ging das 29. Festival in Knechtsteden zu Ende. Coronabedingt waren nur 30 Prozent der Plätze zugelassen. Alle Konzerte waren ausverkauft: Über 700 Zuschauer insgesamt.

Nachdem das „Tiburtina Ensemble“ 2019 beim Festival Alte Musik begeistert hatte, durfte die Damenschola aus Prag auch in diesem Jahr – allerdings nur nach negativem Coronatest – nach Knechtsteden anreisen. Die acht jungen Damen gestalteten in einer „gregorianischen Nacht“ das letzte Konzert des Festivals.

Ihr neues Programm „Flos inter spinas – Blüte zwischen Dornen“ hatten sie aus ihrer Heimat mitgebracht, denn die gregorianischen Gesänge entstammten überwiegend aus Offizien des Benediktinerinnenklosters St. Georg auf der Prager Burg. Die im Jahre 976 gegründete Abtei (heute Nationalgalerie) erlebte ihre Glanzzeit als kulturelles Zentrum zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Neben Maria, der „Königin der Jungfrauen“, wurden auch ihre Gefährtinnen besonders verehrt: Die Heiligen Katharina, Barbara und Margareta. In Responsorien, Antiphonen und Motetten wurde auch ihr Leben und ihre fromme Hingabe besungen. Der Marienhymnus „Salve, Regina“ wird dabei textlich zu „Salve, virgo Katharina“, die Antiphon „Dulci voce resonet“ verklärt die heilige Barbara: „In dieser Kirche erklingen zarte Stimmen.“ Das war zugleich eine Offenbarung. Denn das achtköpfige Ensemble klang auch in schier endlosen Melismen wie eine Stimme.

Mehrstimmige Motetten begleitete die Leiterin Barbora Kabátková auf einer mittelalterlichen Harfe, wegen ihrer aufstrebenden, schlanken Form auch gotische Harfe genannt. Ausnahmslos alle Sängerinnen überzeugten auch in ihren Soli. Das führte zu herrlichen Wechselgesängen zwischen Solo und Tutti-Kehrvers. Wunderbar auch der typisch böhmische Akzent in der Marien-Motette „Ave virgo regia“: Der ruhige Choral in den Unterstimmen wird von einem hellen Sopran geradezu virtuos umrankt.

„Ich bin unendlich dankbar“, sagte der künstlerische Leiter des Festivals Hermann Max nach dem Festival-Ende. „Die wegen der Pandemie entsetzlichen Mühen haben sich gelohnt“ und fügt euphorisch hinzu: „Wir läuten ein wenig das Ende der Pandemie ein.“ Die Zusammenarbeit mit den Musikern sei außerordentlich fruchtbar gewesen, für viele Künstler war Knechtsteden der erste Auftritt nach monatelangem Stillstand. „Glücklich und erleichtert“ war auch der Festivalmanager Michael Rathmann. Das ausnahmslos positive Feedback der Besucher gab er dankbar an die Förderer des Festivals, an den Spiritanerorden und an die Behörden, vornehmlich den Rhein-Kreis Neuss und die Stadt Dormagen, weiter. Alle Veranstaltungen waren ausverkauft. Bei zugelassenen 30 Prozent der „normalen“ Kapazität bedeuteten dies mehr als 700 Festivalbesucher.