Kult-Café Seitenweise in Dormagen ist wieder zurück

Kölner Straße in Dormagen : Kult-Café Seitenweise ist wieder zurück

Das Wiedereingliederungsprojekt des Kolping-Bildungswerkes Neuss läuft so gut, dass an zwei Tagen das Traditionscafé an der Kölner Straße geöffnet und von vier Mitarbeitern betrieben wird.

Es ist eine gute Nachricht für die, die seit Herbst 2017 ihr Café Seitenweise an der Kölner Straße vermisst haben: An zwei Tagen in der Woche - mittwochs und donnerstags, jeweils von 9 bis 15 Uhr - ist das gemütliche Café wieder geöffnet. Verantwortlich dafür ist das Kolpingbildungswerk, das in diesen Räumen Menschen so vorbereitet, dass sie wieder eine Chance auf den ersten Arbeitsmarkt haben. Seit fünf Monaten laufen die Vorbereitungen, in der vergangenen Woche fühlte sich die Gruppe, die bei dem Café-Projekt dabei ist, fit und mutig genug, die Türen zu öffnen.

Es sieht (fast) genauso aus wie damals, als Stephan Thönneßen zum 1. September 2017 sein Seitenweise schloss. Warme Farben sorgen für eine angenehme Atmosphäre, Bilder an der Wand und ein gut bestücktes Bücherregal erinnern an frühere Zeiten. Ebenso der Kaffee und Kuchen - „natürlich selbst gemacht von den Teilnehmern“, betont Ingrid Gruber. Die gelernte Hotelfachfrau begleitet die Teilnehmer seit Juni in praktischen Dingen auf dem Weg zurück in die Normalität eines geregelten Arbeitstages. Eine von ihnen ist Dorotheé Wussow. Die 27-Jährige ist die Erfahrenste im Team, weil sie früher immer wieder in der Gastronomie gearbeitet hat. Ihr bereitet diese Maßnahme Freude, „es gibt eine geregelte Tagesplanung“. Die junge Frau hat Pläne: Sie möchte gerne Boden-Stewardess werden. „Ich war schon in der Welt unterwegs“, sagt Wussow, die in Paraguay aufgewachsen ist, Spanisch, Portugiesisch und Englisch spricht. Andere haben es (noch) schwerer und brauchen noch Zeit, ehe sie sich bereit fühlen für den nächsten Schritt. Denn es ist eine Etappenreise an der Kölner Straße.

Das Projekt nennt sich „Individuelle Maßnahmenkombination zur Potenzialanalyse“. Es geht darum, heutige sogenannte „erwerbsfähige Leistungsberechtigte“ des Jobcenters zu fördern, begleiten und unterstützen. Das „Seitenweise“ ist einer von zwei kleinen Standorten, die Vasco Lopez, Diplom-Sozialpädagoge und Leiter des Projektes, gefunden hat. An der „Kö“ geht es um den Bereich Hauswirtschaft, Ernährung, Gastronomie, in einem ehemaligen Fitness-Studio an der Straße Unter den Hecken um den Bereich Metall.

Hinter Gruber und Lopez liegt die „Clearingphase“, in der sie die Teilnehmer kennenlernten und einer ersten beruflichen Eignungsfeststellung unterzogen. „Die Belastbarkeit ist unterschiedlich, ebenso der familiäre Hintergrund“, erzählt Gruber. „Wir müssen jeden Teilnehmer sehr individuell betrachten.“ Es geht um Motivation, Interesse wecken, um Selbstvertrauen. In kleinen Übungen, zum Beispiel in der Küche, werden Arbeitsabläufe trainiert, „dabei werden die Teilnehmer immer eng mit einbezogen“, so Gruber. Zum Beispiel, als der Eröffnungstermin für das Café näher rückte: Welcher Kuchen wird angeboten, wie sieht die Speisekarte aus, wie wird vor dem Laden geworben?

Bis Juli läuft die auf ein Jahr begrenzte Maßnahme. Lopez hofft, dass sie verlängert wird. Wenn nicht, droht dann das erneute Aus des Seitenweise? Beim Kolpingbildungswerk gibt es für dieses Szenario einen Plan B: Der besagt, dass man es dann in Eigenregie weiterführen würde. Vielleicht bald wieder mit Lesungen, kleinen Konzerten und anderen Öffnungstagen - an den Markttagen Dienstag und Freitag. Wenn das Team sich gut schlägt, Kunden kommen, dann könnten die Zeiten auch ausgeweitet werden.