Dormagen: Kritische Fragen an Bayer

Dormagen: Kritische Fragen an Bayer

Der Chempark und Bayer Material Science informierten die Dormagener Umweltverbände über die neue TDI-Anlagen. Dabei stellte insbesondere Manfred Puchelt kritische Fragen zu dem 150-Millionen-Euro-Projekt.

Sicherheit bei der neuen TDI-Anlage (die NGZ berichtete) — das war das Hauptthema einer Informations- und Diskussionsveranstaltung von Chempark und Bayer Material Science (BMS) für die Dormagener Umweltverbände. "Es gab kritische Fragen, aber auch kompetente Antworten", berichtet Manfred Puchelt von der Agenda 21, einer der kritischen Wortführer in Dormagen gegenüber dem Chempark. So stand die Frage im Raum, warum bei der TDI-Produktion überhaupt noch der gefährliche Stoff Phosgen verwendet werde. Auch die Coordination gegen Bayer-Gefahren hatte gefordert, auf alternative Stoffe zurückzugreifen. Laut Dieter Kuhne, Leiter der TDI-Produktion in Dormagen, sind diese Verfahren noch nicht über den Laborversuch hinaus gekommen und von der industriellen Anwendung noch weit entfernt sei.

Die Vertreter der Naturschutzverbände erkennen das Bemühen von BMS um hohe Sicherheitsstandards an. Puchelt: "Die Einhausung gibt ein großes Stück Sicherheit." Dennoch die Frage: "Was passiert bei einer Explosion, wenn auch das 'Haus' wegfliegt?" Für Kuhne und Chempark-Leiter Dr. Walter Leidinger ist das so gut wie ausgeschlossen: So werden die einzelnen Stoffe wie Phosgen nicht mehr in der Anlage gespeichert, sondern von umliegenden Betrieben für die Produktion nach Bedarf geliefert. So werde auch in der neuen, wesentlich größeren, Anlage nicht mehr Phosgen sein als in der heutigen.

Sorgen hatten die Vertreter der Verbände auch bei der Salz Einleitung in den Rhein. Dazu Kuhne: "Wir wollen die bei der TDI-Produktion als Koppelprodukt entstehende Salzsäure folgendermaßen verwerten: 1/3 geht wieder in unsere eigene Anlage zurück, zur weiteren Nutzung bei der TDI-Produktion. Den Rest, die anderen 2/3, wollen wir verkaufen — sowohl an unser bestehendes Kundenportfolio als auch an neue Abnehmer." Und zur Einleitung: "Die Neutralisation, beziehungsweise die Einleitung des Chlorids in den Rhein ist eine reine "Versicherung", die wir nur in unvorhergesehenen Fällen nutzen müssten."

Puchelt äußerte die Sorge, dass mit einem Wechsel an Konzern- und später Chempark-Spitze der Aspekt der Wirtschaftlichkeit Vorrang vor Sicherheitsgesichtspunkten erlangen werde. Das allerdings konnte sich Leidinger nicht vorstellen: "Die maximale Sicherheit ist eines unserer festen und unumstößlichen Prinzipien."

(NGZ)