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Dormagen: Kritik an TDI-Anlage verschärft

Dormagen : Kritik an TDI-Anlage verschärft

Dieter Donner, Vorstand der Regionalgruppe Düsseldorf des Umweltverbands BUND, über seine Bedenken zum Bau der geplanten TDI-Anlage von der Bayer-Tochter MaterialScience im Chempark Dormagen.

Herr Donner, Sie sind einer der Einwender zu der TDI-Anlage im Chempark Dormagen. Über welche Punkte in der Planung sind Sie gestolpert?

Dieter Donner Uns stören vier Bereiche, die im Rahmen der Bayer-Planungen nicht berücksichtigt wurden: die fehlende Überprüfung der Auswirkung auf die gefährdete Vogelart Flussregenpfeifer; die Art der Einhausung der Anlage; Auslegung und Anordnung der Sensoren zur Überwachung des Außenbereichs, falls CO, Chlor oder Ammoniak austreten sollte; fehlende Worst-Case-Szenarien etwa im Falle einer berstenden Rohrleitung.

Mal der Reihe nach: Bayer hat doch ausführlich die Auswirkungen auf die Umwelt untersucht?

Donner Auf der von Dormagen aus anderen Rheinseite liegen Flora-Fauna-Habitate, in denen dem Artenschutz besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Der Flussregenpfeifer wurde in der Umweltverträglichkeitsuntersuchung nicht separat betrachtet.

Was stimmt nicht mit der Einhausung der Anlage?

Donner Es gibt für die Einhausung unterschiedliche Methodiken: Die Anlage im Chempark Dormagen soll mit einer Blechhülle umschlossen werden; bei der Firma DowChemicals in Chempark Stade wurde eine ähnliche Anlage mit Beton umschlossen. Weder Bayer MaterialScience (BMS) noch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) wollten sich dazu äußern.

Bayer hat doch Worst-Case-Szenarien untersucht.

Donner Die Szenarien des Unternehmens beziehen sich lediglich auf normale Flansch-Leckagen. Was passieren soll, wenn die Sensoren versagen oder eine Rohrleitung birst, wurde nicht erklärt.

Bayer hat nach dem PR-Desaster mit der CO-Pipeline Besserung gelobt. Fühlen Sie sich nach den Erörterungsterminen ausreichend informiert?

Donner Das neue, gasphasenbasierte TDI-Erzeugungsverfahren hat Bayer zum patentierten Betriebsgeheimnis erklärt und so standen zur Einsicht nur abgespeckte Versionen der Antragsunterlagen zur Verfügung. Insgesamt erinnert mich das Verfahren bisher stark an die Antworten zur CO-Pipeline.

Sind Sie zufrieden mit dem bisherigen Verlauf des Verfahrens?

Donner Die Bezirksregierung hat Bayer aufgefordert, klar Stellung zu beziehen. Das ist sehr positiv. Verwundert hat mich, dass die Vertreter des LANUV die Bayer-Aussagen kritiklos übernommen haben.

Wie geht es nun weiter?

Donner Bayer und Bezirksregierung haben erklärt, unsere offenen Fragen noch einmal zu untersuchen. Zudem beginnt nun das Anlage-Genehmigungsverfahren, auf dessen Ergebnisse wir sehr gespannt sind.

Jens Krüger führte das Gespräch.

(NGZ/rl)