1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Dormagen: Kritik am Bäder-Gutachten

Dormagen : Kritik am Bäder-Gutachten

Eine Entscheidung in der Bäderfrage war nicht zu erwarten. Aber auch neue Infos gab es bei der Sitzung von vier Fachausschüssen nicht, in der das Brauer-Gutachten vorgestellt wurde. Stattdessen viel Kritik, vor allem an Kosten.

Es sollte die große Transparenz-Offensive der Stadt in der strittigen Bäderfrage sein. Doch viel Erhellendes hatte die Bürger-Initiative "Gegen den Bäder-Abriss in Dormagen", die per Bürgerantrag die Infoveranstaltung forderte, nicht erwartet, denn ihre kritische Meinung zum Gutachten des Dormagener Ingenieurbüros Dr. Norbert Brauer wurde bereits während der Sitzung in der "Kulle" verteilt. "Die Veranstaltung hat nichts Neues gebracht", sagte BI-Sprecherin Kerstin Born. "Wir hatten ein Gutachten erwartet und keine Power-Point-Präsentation mit bunten Bildchen, die wir bereits kennen". Der Neusser Bäder-Experte Karl-Heinz Reuter bezeichnete das Gutachten sogar als "unbrauchbar".

Foto: Berns, Lothar

In der gemeinsamen Sitzung von vier Fachausschüssen und im Beisein von rund 60 interessierten Bürgern stellte Geschäftsführer Norbert Brauer am Dienstag Abend das Ergebnis der bautechnischen Untersuchung der Hallenbäder in Nievenheim und in der Stadtmitte vor. Das Ergebnis überraschte niemanden: Beide Bäder sind stark sanierungsbedürftig. In diesem Punkt waren sich alle einig. Wie teuer eine Sanierung der Bäder sein wird, bei dieser Frage enden alle Gemeinsamkeiten, es kursieren höchst unterschiedliche Zahlen.

Gutachter Brauer nannte einen Sanierungsbedarf von (netto) 3,8 Millionen Euro für das Nievenheimer Bad und 5,8 Millionen Euro für die Stadtmitte. Dabei handelt es sich nur um die Mängel der Baukonstruktion. Inklusive der Bädertechnik bezifferte der Geschäftsführer der SVGD, Ulrich Pfister, in deren Regie die Bäder laufen, den Sanierungsbedarf auf "etwa 15 Millionen Euro". Die Bürgerinitiative stützt sich auf ein Gutachten der Firma Altenburg, das die Bäderlandschaft in Dormagen untersucht hatte und sich der Hilfe des Architekturbüros Geising+Böker bediente. Da ist die Rede von 2,9 Millionen (Nievenheim) bzw. 3,4 Millionen Euro (Stadtmitte). "Dabei handelt es sich um kein Substanzgutachten", erklärt SVGD-Chef Pfister, "die Feststellung der Mängel erfolgte nur auf Sicht. Selbst Altenburg hatte uns empfohlen, ein detailliertes Gutachten in Auftrag zu geben."

Bereits in der Sitzung übte Reuter, der die Bürgerinitiative berät, Kritik am Brauer-Gutachten. Die wiederholte der anerkannte Bäder-Fachmann gegenüber der NGZ. Er vermisst beim Verfasser "bäderspezifisches Wissen". Dass beide Bäder stark sanierungsbedürfig sind, sei unbestritten. Aber: "Die ermittelten Kosten für eine Sanierung sind viel zu hoch." Die BI-Sprecherin hält jetzt einen Runden Tisch mit Vertretern aller Interessensgruppen für sinnvoll.

(NGZ)