1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Kreismuseum Zons in Dormagen: Fliesensammler bei letzter Museumsöffnung

Kreismuseum Zons in Dormagen : Fliesensammler bei letzter Museums-Veranstaltung

Das Fliesensammlertreffen im Kreismuseum Zons fand am Samstag noch statt. Jetzt hat der Rhein-Kreis Neuss das Kreismuseum bis zum 19. April für Publikumsverkehr geschlossen.

Eine kleine, aber feine Veranstaltung am Samstag war die vorerst letzte im Kreismuseum Zons: Die 17. Auflage des Sammlertreffens „Fliesen und Keramik des Jugendstils“ fand am Samstag inmitten der Ausstellungsräume und für jeden zugänglich statt.

Im Vorfeld hatte das Team des Kreismuseums Zons um Leiterin Anna Karina Hahn einige Sicherheitsvorkehrungen getroffen: An allen markanten Stellen war Desinfektionsmittel aufgestellt worden, zudem sollte jeder Sammler und Besucher seine Kontaktdaten in ein Formular eintragen, um im Falle einer Infektion umgehend benachrichtigt zu werden. „Wir haben natürlich überlegt, das Sammlertreffen zu verschieben“, sagte Hahn. „Aber da es so wenige Aussteller sind, die sich in unseren Räumen großzügig verteilen und wir auch nicht mit allzu vielen Besuchern rechnen, haben wir uns dazu entschieden, den Termin beizubehalten – unter Einhaltung der maximalen Hygiene.“

Elf der angekündigten 20 Sammler kamen der Pandemie zum Trotz nach Zons, um ihre Schätze anzubieten und bei Mitbewerbern zu stöbern. Mit dekorativ geschwungenen Linien, flächenhaften Ornamenten und Asymmetrie war der Jugendstil an der Wende zum 20. Jahrhundert der Gegenentwurf zum Stil des Historismus.

In den Räumen des Kreismuseums gab es eine Vielzahl von Motiven auf den Fliesen – von einfachen Ornamenten auf einzelnen Kacheln bis hin zu Blumenfeldern und Tiermotiven. Dabei reichten die Preise von wenigen Euro bei Waren aus der „Grabbelkiste“ bis hin zu einem vierstelligen Betrag bei den besonderen Stücken in den Auslagen. „Besonders wertvoll sind die Fliesen, die mit Landschaftsmotiven verziert sind“, erklärte Ernst Krauss, der mit einem kleinen Teil seiner Sammlung aus Hamburg gekommen war. Hat er gezögert, am Treffen teilzunehmen und eine Coronavirus-Ansteckung zu riskieren? „Ich nicht, aber meine Frau“, sagte er. „Man denkt, die Fälle sind nicht so häufig, aber plötzlich sind Menschen aus dem engsten Kreis indirekt betroffen.“ Seit 40 Jahren sammelt er Jugendstil-Fliesen und lernt jedes Jahr dazu. „Motive wie Seerosen tauchen ständig auf, aber es gibt auch seltene, die dann einen hohen Wert besitzen.“ Dabei richte sich der Wert einer Fliese keinesfalls nach ihrer Größe, sondern eben nach dem Motiv.

Das weiß auch Yvonne Zschiesche aus Neuss, die ihren Vater Reinhard Goßmann aus Wiesbaden an seinem Geburtstag zu dem Treffen begleitet hat. „Es gibt besonders verrückte Motive, die wenigen gefallen, aber aufgrund ihrer Seltenheit einen hohen Wert besitzen“, sagt der Sammler, der die Stücke seiner verstorbenen Frau in Ehren hält und einige ausgesuchte an Sammler weitergibt. Zu Hause hängen einige Exemplare an der Wand, verteilen sich in seiner stuckverzierten Altbauwohnung.

An den Ständen fanden angeregte Fachgespräche zwischen Sammlern statt, aber auch die Museumsbesucher stellten viele Fragen „Natürlich ziehen wir keine Besuchermassen wie beim leider abgesagten Ostermarkt an, aber wir sind zufrieden, gerade in der jetzigen Situation“, sagte Museumsleiterin Hahn. „Und der ein oder andere entdeckt seine Leidenschaft auf solchen Treffen, die er nur zufällig besucht.“