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Kreismuseum in Dormagen sammelt Zeugnisse der Corona-Pandemie

Projekt in Dormagen : Kreismuseum sammelt Zeugnisse der Pandemie von Bürgern

Für Archivleiter Stephan Schröder ist es wichtig, für nachfolgende Generationen Dokumente über den Umgang der Bürger mit der Corona-Krise zu haben.

Das Corona-Virus hat Wirtschaft, Gesellschaft, aber auch den Alltag der Menschen im Rhein-Kreis Neuss in einen Ausnahmezustand von bisher nicht gekanntem Ausmaß versetzt. Um diese Extremsituation für die Nachwelt zu dokumentieren, sammelt das Archiv im Rhein-Kreis Neuss bildliche und schriftliche Zeugnisse mit „Corona“-Bezug. Fotografien, z.B. von geschlossenen Grünanlagen, Einrichtungen oder Geschäften, Aufrufe zur Nachbarschaftshilfe, aber auch persönliche Aufzeichnungen oder Tagebücher können beim Archiv abgegeben werden.

„Zukünftige Generationen werden sich stark und unter unterschiedlichsten Gesichtspunkten für die Thematik interessieren“, sagt Kreisarchivleiter Stephen Schröder. „Für die spätere Rekonstruktion der Geschehnisse ist es deshalb wichtig, dass in den öffentlichen Archiven nicht nur amtliche Verwaltungsunterlagen zur Verfügung stehen, sondern auch sogenannte ,Ego-Dokumente’ einzelner Bürger sowie Zeugnisse zum Beispiel von Vereinen oder sozialen Bewegungen.“

Laut Schröder hat das Archivteam früh damit begonnen, Zeugnisse unterschiedlichster Art mit Bezug zur Pandemie zu sammeln. „Unsere Sammlung umfasst bereits ca. 350 Stücke, die wir in unserer Archivdatenbank ausführlich beschrieben haben.“ Unter den Stücken findet sich viel Digitales, vor allem Fotografien und Videos, etwa von gesperrten Wegen, Spielplätzen oder Geschäften, von Benefizaktionen für Senioren, aber auch Gedanken und Dokumentationen über das persönliche Erleben der Pandemie. So hat eine Bürgerin hat dem Kreisarchiv regelmäßig kleine Geschichten und persönliche Gedanken zur Pandemie zukommen lassen.

Das Gros der Corona-Zeugnisse bezieht sich auf die Zeit des ersten „Lockdowns“ im März/April 2020. Das Kreisarchiv ist aber auch an bildlicher und/oder textlicher Überlieferung zum „zweiten Lockdown“ seit November 2020 interessiert. Schröder: „Vor allem interessieren uns persönliche Einschätzungen, wie die Bürger die Pandemie bislang erlebt haben bzw. gegenwärtig erleben. Mit welchen Problemen sehen sie sich – etwa durch die Schließung von Kitas und Schulen – konfrontiert und welche Lösungen suchen sie zu realisieren? Wie erleben sie Extremsituationen wie Quarantäne oder Krankheit? Welche Wünsche und Erwartungen haben die Menschen für die Zeit nach Corona? Auch über den Umgang von Vereinen und ähnlichen Gruppierungen mit der Pandemie wüssten wir gerne mehr.“ Die Unterlagenart spielt keine entscheidende Rolle. Digitale Bilder oder Videos können per Mail oder Datenträger übermittelt werden, schriftliche Zeugnisse ebenfalls in E-Mail-Form, aber auch als analoger Brief, Tagebuch, Gedicht etc. Um personenbezogene Angaben vor einer zeitnahen Einsichtnahme durch Dritte zu schützen, können eingereichte Unterlagen gegebenenfalls auch mit einer sogenannten archivischen „Schutzfrist“ belegt werden.

Info Corona-“Zeugnisse“ können per Mail geschickt werden an: stephen.schroeder@rhein-kreis-neuss.de

(schum)