Kreiskrankenhaus Dormagen: Klinik-Hightech für die Chemotherapie

Kreiskrankenhaus Dormagen : Hightech für die Chemotherapie im Kreiskrankenhaus

Die Bezeichnung Zytostatika-„Werkbänke“ führt in die Irre: Mit klotzigen Handwerker-Tischen samt Schraubstock haben die beiden neuen Hightech-Möbel in der Dormagener Krankenhaus-Apotheke nichts zu tun.

Eher erinnern sie an Science-Fiction-Küchengeräte mit perfekter Ergonomie und gigantischer Abzugshaube. Doch hier werden keine Suppen gekocht, sondern Medikamente für die Chemotherapie Krebskranker produziert – individuell auf den jeweiligen Patienten, sein Krankheitsbild und seine aktuelle Konstitution zugeschnitten. Zytostatika sind Substanzen, die das Zellwachstum bzw. die Zellteilung hemmen. Die Herstellung erfolgt unter strengsten Sicherheitsbedingungen und Hygieneauflagen und durch und durch vertrauenswürdig. Wie wichtig vor allem Letzteres ist, hat der Apotheker-Skandal von Bottrop gezeigt, bei dem es um gepanschte Krebsmedikamente für 3700 Patienten ging.

Die Zytostatika-Werkbänke gehören zum Modernsten, was derzeit auf dem Markt ist. Es sind vor allem Menschen mit Darm- oder Brustkrebs, die in Dormagen und Grevenbroich behandelt werden. Für sie werden in der Zentral-Apotheke des Krankenhausverbundes an fünf Tagen pro Woche frisch die benötigten Chemotherapien hergestellt. Etwa 7000 Zubereitungen waren es 2018. „Demnächst werden es mehr sein“, versichert Julia Potschadel, die Leiterin der Apotheke.

Die Sicherheitsstandards bei der Herstellung der Krebsmedikamente sind hoch. Die drei Apothekerinnen und vier Pharmazeutisch-Technischen Assistentinnen im Krankenhaus arbeiten mit krebsbekämpfenden Substanzen, die einen Tumor töten und so Kranken helfen sollen; bei gesunden Menschen aber Schäden hervorrufen können. In die neuen Werkbänke haben die Rhein-Kreis Neuss Kliniken rund 50.000 Euro investiert. Über einen Monitor an der Rückwand können die Fachleute in der Vergrößerung verfolgen, was sie genau tun.

Die Produktion der Zytostatika erfolgt im sogenannten Reinraum. Die Konzentration irgendwelcher Teilchen in der Luft tendiert hier gen Null. Damit das so bleibt, muss jeder Gegenstand, jeder Mitarbeiter eine Schleuse passieren. Entsprechen nicht alle Werte 100-prozentig den strengen Vorgaben, wird die komplette Raumluft „gespült“.

Gearbeitet wird an den Werkbänken immer zu zweit: Während die eine Fachkraft mit der eigentlichen Produktion beschäftigt ist, reicht die andere der Kollegin die benötigten Komponenten oder Arbeitsmaterial an. Eine weitere Mitarbeiterin ist an der Schleuse tätig – überwacht wird der gesamte Prozess von einer Apothekerin. Die prüft außerdem sämtliche Verordnungen immer noch einmal gegen.

(NGZ)
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