Kreis will neuen Partner für NRW-Sportschule

Knechtsteden reagiert überrascht: Kreis will neuen Partner für NRW-Sportschule

In Knechtsteden ist man von diesem Vorstoß überrascht. Kreisdirektor Brügge räumt ein, nicht vorher informiert zu haben.

Die Kooperation eines privaten Gymnasiums mit einer städtischen Gesamtschule ist ungewöhnlich genug. Das Norbert-Gymnasium in Knechtsteden und die Bertha-von-Suttner-Gesamtschule arbeiten mit einer einzigartigen NRW-Sportschule seit 2015 zusammen. Jetzt könnte es so sein, dass aus dem Duo ein Trio oder sogar mehr wird. Denn im sportfreundlichen Rhein-Kreis Neuss existieren mehr als Ideen, die NRW-Sportschule Dormagen zu erweitern und in einem Verbund zu einer „Eliteschule des Sports“ zu werden. So weit, so gut. Nur: Die Hauptbetroffenen, die beiden Schulen, wissen von diesen Plänen noch gar nichts. „Das ist uns nicht bekannt, sagt NGK-Direktor Johannes Gillrath. Immerhin: „Wir sind offen für Gespräche. Wenn das Thema auf uns zukommt, sehen wir es uns an, ob es Sinn macht.“ Kreisdirektor Dirk Brügge räumt ein: „Stimmt, Gespräche im Vorfeld wären schön gewesen.“

Es ist nicht die Politik, auch nicht der Rhein-Kreis, der dieses Sportschulen-Konstrukt von sich aus erweitern kann. So erklärt Johannes Gillrath: „Der Norbert-Verein und die Stadt Dormagen tragen die NRW-Sportschule und haben sie beim Land beantragt.“ Aus Knechtsteden heraus kam auch der Impuls für die vor vier Jahren gegründete Sportschule, die starke Rückendeckung des Landes hat. „Die Irritation in Knechtsteden kann ich nachvollziehen“, sagt Brügge. „Diese Idee ist so explizit auch nicht im neuen Masterplan Leistungssport enthalten.“ Er kündigt „intensive Gespräche“ an, schon in der nächsten Woche kommt erstmals der Arbeitskreis Leistungssport zusammen, für den auch die beiden Schulen und das Sportinternat eine Einladung erhalten haben, so der Kreisdirektor. „Bislang gibt es nur Überschriften“. Es müsse jetzt im Detail darüber gesprochen werden, wie eine solche Erweiterung möglich ist, welche Schulen Kooperationspartner sein können.

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Genannt wird vom Rhein-Kreis bereits ein Berufsbildungszentrum (BBZ) als möglicher dritter Partner. Wie realistisch das aber ist, bleibt abzuwarten. „Es spricht grundsätzlich nichts gegen ein BBZ“, sagt Gillrath, der aber gleichsam fragt: „Ist eine solche Konstellation vom Land gewünscht?“ Zweifel sind vorhanden. Am Norbert-Gymnasium und an der BvS-Gesamtschule gibt es ab der Jahrgangsstufe fünf jeweils eine Sportklasse, für die man sich erst qualifizieren muss und in der dann der Sportunterricht groß geschrieben wird. Gillrath: „Ist ein BBZ überhaupt bereit, eine solche Sportklasse einzurichten?“ Schon heute gibt es eine Zusammenarbeit zwischen dem BBZ in Dormagen und dem in Knechtsteden ansässigen Sportinternat, sagt dessen Leiter Henning Heinrichs. Es gebe auch drei, vier Sportler, die von dort aufgenommen werden. Klar ist, dass es keine Ausweitung des Sportarten-Portfolios geben wird. Das orientiert sich an den Bundes- und Landesleistungsstützpunkten in Dormagen, an den in Dormagen seit Jahrzehnten erfolgreichen Sportarten wie Handball, Fechten oder Ringen. Eine Ausnahme ist Taekwondo, das in Nievenheim keinen Stützpunkt hat. „Aber dort wird nachweislich professionell und erfolgreich gearbeitet“, sagt Heinrichs.

Bei allen bisherigen Defiziten in der Kommunikation hält Kreisdirektor Brügge die Erweiterung der NRW-Sportschule für erforderlich. „Das sollten wir tun. Jetzt geht es um die operative Umsetzung.“ Die Verabschiedung des Masterplans Leistungssport durch den Sportausschuss des Kreistages sei nur der erste Aufschlag. Es gehe auch um die duale berufliche Ausrichtung.