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Existenzgründungstag im Dormacenter: Kreative Köpfe mit innovativen Ideen sind nötig

Existenzgründungstag im Dormacenter : Kreative Köpfe mit innovativen Ideen sind nötig

Von Carsten Sommerfeld

Von Carsten Sommerfeld

"Auch bei guter Vorbereitung erwartet den Existenzgründer kein Spaziergang, sondern nicht selten ein Hochseilakt ohne Netz", stellt IHK-Vizepräsident Wilhelm Werhahn angehenden Unternehmern in Aussicht. Damit der Seilakt gelingt, richtete die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein zusammen mit Kreis und Stadt Dormagen einen Existenzgründungstag aus - mit Unterstützung der NGZ, der Sparkasse Neuss, des Arbeitsamtes und anderer Organisationen. Treffen am NGZ-Stand während des Existenzgründungstages: (v.l.) Hartwig Franke, Verlagsmarketing, Jürgen Steinmetz, Wirtschaftsförderer beim Kreis, IHK-Vizepräsident Wilhelm Werhahn, Bürgermeister Reinhard Hauschild und Hildegard Reppelmund, Existenzgründerberaterin bei der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein. NGZ-Fotos: M. Reuter

Ein Kinosaal war zum Workshop-Raum umfunktioniert worden, im Foyer des Dormacenters standen Vertreter unter anderem der IHK, der Handwerkskammer, des Kreises und seiner acht Städte und Gemeinden, von Banken und Krankenkassen für Gespräche bereit. Eingehende Informationen gab es bei drei Workshops zum Unternehmenskonzept, zu Starthilfen und Förderprogrammen sowie zu Steuer-Fragen. "Erfolgreiche Unternehmensgründungen gehören zu den Eckpfeilern unserer Wirtschaftsordnung. Diese lebt nicht zuletzt von einem permanenten Erneuerungsprozess.

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Auf jeden Niedergang einer Branche, einer Produktionsform oder eines Unternehmens muss eine Antwort gefunden werden, die in die Zukunft weist", erklärte IHK-Vizepräsident Wilhelm Werhahn, der im Vorfeld eine "neue Kultur der Selbständigkeit" gefordert hatte. "Gerade in Zeiten geringen Wirtschaftswachstums sind viele kreative Köpfe nötig, die mit innovativen Ideen helfen, die Volkswirtschaft wieder auf Kurs zu bringen." Werhahn konnte bereits Erfolge melden: Allein seit dem Start der Gründungsoffensive ,Go!" 1995 hat sich die Anzahl der selbständigen im IHK-Bezirk Mittlerer Niederrhein um 17,6 Prozent erhöht."

Gesprächrunde: (v.l) IHK-Geschäftsführer Dr. Ulrich Biedendorf mit Jungunternehmern Pahlke und Scott.

Seit fünf Jahren richtet die IHK die Existenzgründungstage aus. Positives hatte auch Jürgen Steinmetz, Wirtschaftsförderer beim Kreis Neuss, zu berichten: Mit einer Selbständigenquote von über elf Prozent liege der Kreis weit über Landesdurchschnitt. Bürgermeister Reinhard Hauschild wies auf die Bemühungen der Stadt hin - auf die Initiative "Go-Do" und auf das Amt für Wirtschaftsförderung - "Lotse und Katalysator in dem komplexen Verfahren der Existenzgründung". Verspricht mein Konzept wirtschaftlichen Erfolg? Gründe ich ein neues Unternehmen oder übernehme ich eine bestehende Firma? Welche Rechtsform ist die richtige? Wie finanziere ich den Start meines Betriebs? Und wie sehen meine Krankenversicherung und Altersvorsorge aus?

Solche Fragen sind nach Auskunft von IHK-Existenzgründerberaterin Hildegard Reppelmund typisch. Mit der Resonanz war sie schon am Mittag ähnlich zufrieden wie Thomas Becker von der Kölner Bank, der einen Wandel beobachtet. "Das Interesse an Unternehmensgründungen im Bereich des ,Neuen Marktes" hat deutlich nachgelassen. Gefragt ist wieder mehr die ,Old Economy" - etwa im Handwerk." Am Stand würden Kontakte geknüpft, Fragen beantwortet, Finanzierungsgespräche folgten natürlich erst später. Dazu mitbringen sollte der angehende Unternehmer ein Unternehmenskonzept mit einer Marktanalyse, Zielgruppen-Beschreibung und Marketing-Strategie.

Feste Vorstellungen hat bereits Andreas Delkof. Der 33-jährige Dormagener arbeitet als Techniker in einem Planungsbüro. "Zurzeit verkaufe ich als Nebengewerbe Artikel im Heizungs- und Sanitärbereich." Damit möchte er sich nun selbständig machen. "Ich bin öfter gefragt worden ,Kannst Du mir nicht einen Durchlauferhitzer besorgen?", und habe die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen den Gang zum Handwerksbetrieb scheuen, um ein Gerät zu kaufen, das sie selbst installieren wollen." Und im Baumarkt gebe es nicht alle Fabrikate. Diese Lücke will er nun schließen. Dass die Idee allein nicht reicht, weiß er - er kann auch schon kaufmännische Kenntnisse vorweisen.

Mut machte den künftigen Unternehmern in einer Gesprächsrunde Thorsten Pahlke. Der Center-Manager des Dormacenters hatte vor anderthalb Jahren mit einem Partner ein Gebäudemanagement-Unternehmen mit heute 70 Beschäftigten gegründet. "Über den Reinigungsdienst hinausgehende Komplett-Lösungen seien gefragt. "Beim Start kann man sich erst einmal von Freunden und Bekannten verabschieden", meint er zum Zeitaufwand. Den Schritt in die Selbständigkeit hat er ebenso wenig bereut wie Julian Scott Nelson, der mit seiner Lebensgefährtin in der Rathaus-Galerie das Wellness-Studio "Wellity" gegründet hatte.

Schwierig sei die Finanzierung gewesen. "Wir hatten etwas Neues vor - zum Glück haben wir eine Bank gefunden, die an unser Konzept geglaubt hat." Wirtschaftsförderer Steinmetz zog eine positive Bilanz: "200 Menschen haben sich informiert - nicht nur aus Dormagen, sondern auch aus anderen Kommunen des Kreises." Damit habe sich das Konzept bewährt, dass sich alle Städte und Gemeinden beteiligen.

(NGZ)