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Konzert in Dormagen: Allerfeinster Jazz vor Corona-Pause

Konzert in Christuskirche Dormagen : Allerfeinster Jazz vor Corona-Pause

Tolles Trio interpretierte den genialen Duke Ellington in der Christuskirche. „Für eine ganze Weile wird es jetzt das letzte Konzert sein“, eröffnete der sichtlich geknickte Pfarrer Frank Picht die „Friday Night“.

Und dabei hält der musikumtriebige Veranstalter laufend Ausschau nach weiteren Aspiranten für seine Kulturkirche. Bei diesem Konzert am Freitag war wieder die größere Christuskirche ausgewählt worden, denn dort konnten die Corona-Beschränkungen besser eingehalten werden.

Die handverlesene Dormagener Jazz-Gemeinde wusste ihre Gäste sehr zu schätzen: Dormagens Eigengewächs Jens Böckamp, Mitglied einer Bigband der Bundeswehr, mit Saxophon und Klarinette, Clemens Orth (Köln), freiberuflicher Pianist und Organist, und als sowohl visueller als auch hörbarer Blickfang die belgische Sängerin Eva Buchmann; sie ist Hochschullehrerin an der Folkwangschule Essen-Werden.

Saxophon solo, mit Orgel, Sängerin mit Klarinette und Orgel oder solo – die in dieser Form erstmalig auftretende Dreierbesetzung spielte sämtliche Varianten durch. Programmatisch ergab sich scheinbar eine Begrenzung auf Duke Ellington und Billy Strayhorn. Doch die Besucher werden bereits bei der Ankündigung mit der Zunge geschnalzt und gewusst haben, was sie erwartete. Nämlich Jazz vom Allerfeinsten und aus den unversiegbar schöpferischen Swing- und Balladenjahren der 30er und 40er und später.

Duke Ellington in der Fülle seiner Inspirationen sollte es in der Christuskirche sein, garniert von seinem kongenialen Zeitgenossen Billy Strayhorn. Die Assoziationen waren auf der Stelle zur Hand: glitzernde Kleider, tiefschwarze Fracks in verräucherten Bars klassischer Hollywood-Filme. Als Sakrileg wurde solches Gedenken im Gotteshaus nicht im Mindesten empfunden, denn dazu kamen die Interpretationen viel zu überzeugend über. Ohne von vornherein auf billige Effekte des Wiedererkennens zu schielen, bediente das wundersame Trio so die Kennerschaft des Publikums.

„Sophisticated Lady“, „Caravan“, „Day Dream“ und „Take the ‚A‘-Train“, um nur einige Titel herauszugreifen, abgerundet durch die Zugabe „Limbo Jazz“, beschworen das zum Teil Beste, was je im Jazz geschrieben wurde. Clemens Orth zweckentfremdete die Orgel auf sinnvolle Weise, Jens Böckamp brillierte mit seinem Saxophon. Und Eva Buchmann brachte es doch tatsächlich fertig, ihre klangvoll zupackende Stimme verblüffend brüchig modulierend auch gelegentlich wie ein Saxophon überkommen zu lassen – Jazz at its best.