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Dormagen: Kokain-Schmuggel: Urteil erst im Sommer

Dormagen : Kokain-Schmuggel: Urteil erst im Sommer

Dormagener Paar sitzt seit April 2017 in australischen Gefängnissen. Es wurde bei der Einreise mit vier Kilogramm Kokain auf dem Flughafen von Sydney erwischt. Den beiden droht eine lebenslange Haftstrafe.

Ende April vergangenen Jahres wurden zwei Dormagener bei der Einreise in Australien auf dem Flughafen in Sydney wegen Drogenschmuggels verhaftet. Vier Kilo Kokain hatten die deutsche Frau und ihr tunesischstämmiger Partner im Gepäck. Seitdem sitzen die beiden in australischen Gefängnissen und warten auf ihre Verhandlung. Ein Urteil soll für die Deutsche nicht vor Juni diesen Jahres fallen.

Drogenschmuggel wird in Australien nochmals strenger bestraft als in Deutschland. Vier Kilo Kokain im Gepäck - das könnte die 49-jährige Dormagenerin und ihren Partner durchaus lebenslänglich ins Gefängnis bringen. Die Drogen, die nach australischen Medienberichten etwa 1,2 Millionen Australische Dollar (etwa 785.000 Euro) wert gewesen wären, hatte das Paar in Plastik eingewickelt in der Kofferauskleidung versteckt. Zollbeamten war am Flughafen ihr nervöses Verhalten aufgefallen, die beiden wurden durchsucht und waren dann noch auf dem Flughafen festgenommen worden. Der bei ihrer Festnahme 49-Jährigen und ihrem 37 Jahre alten Partner, die in einer Wohnung an der Kölner Straße wohnten, wurden damals die Anträge auf Freilassung gegen Kaution vom Magistrat (Richter) verweigert.

 Ein privates Bild der Angeklagten veröffentlichten australische Medien.
Ein privates Bild der Angeklagten veröffentlichten australische Medien. Foto: news.com

Die Dormagenerin, die auch in einem Lebensmittelgeschäft in Rheinfeld und zuletzt in einem Geschäft in der Rathaus-Galerie arbeitete, kam nach der Festnahme zunächst in ein Hochsicherheitsgefängnis für Frauen im Silverwater Correctional Complex in Sydney. Nach einem kurzen Aufenthalt in einem Gefängnis im Hunter Valley, eineinhalb Stunden nördlich von Sydney, ist sie inzwischen laut Aussagen der Behörden wieder zurück in Sydney. Telefonisch erhielt unsere Redaktion die Auskunft, dass eine weitere Verlegung jedoch wahrscheinlich sei.

Der Silverwater Correctional Complex besteht aus einem Gefängnis für Männer sowie einem Hochsicherheitsgefängnis für Frauen und ist etwa 20 Kilometer westlich der Innenstadt von Sydney gelegen. Verurteilte Häftlinge teilen sich den Komplex mit Frauen, die noch auf ihre Verhandlung warten, wie die Dormagenerin. Im gleichen Gefängnis saß zeitweise auch Lindy Chamberlain, der vorgeworfen wurde, ihre neun Wochen alte Tochter ermordet zu haben, obwohl sie behauptete, ein Dingo habe das Baby verschleppt. Sie wurde später freigesprochen. Auch zwei Kanadierinnen wurden dort eingesperrt, nachdem sie versuchten, auf einem Kreuzfahrtschiff über 30 Kilo Kokain ins Land zu bringen. Eine der Drogenschmugglerinnen wurde im November zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. In ihrem Fall entschied sich das Gericht gegen die Höchststrafe.

Die deutsche Frau muss dagegen noch bis Juni auf ihre Verhandlung warten. Die derzeitige Haftzeit wird mit der letztendlichen Strafe jedoch verrechnet werden. Unklar ist, wie gut die Deutsche, die bei einer ersten Anhörung einen Dolmetscher brauchte und dem Richter auf Deutsch antwortete, Englisch spricht. Dies könnte ihren Kontakt zu anderen inhaftierten Frauen schwierig gestalten. Auf einen Brief unserer Redaktion, in dem wir anfragten, wie es ihr geht und ihr anboten, ihre Version des Vorfalls zu schildern, gab es bisher keine Antwort. Ein guter Bekannter der beiden Dormagener sagte jedoch bereits im Mai gegenüber unserer Redaktion, dass er fest davon überzeugt sei, dass die 49-jährige Verkäuferin nichts von dem Drogenschmuggel gewusst habe.

Kontakt zu ihrer Familie kann die Frau derzeit per Brief halten. Außerdem kann sie bis zu zehn Freunde und Verwandte nominieren, die sie anrufen kann, sowie drei Nummern von Anwälten. Pro Anruf stehen im Normalfall sechs Minuten für Privatanrufe und zehn Minuten für ein Gespräch mit einem Anwalt zur Verfügung. Die Kosten dafür müssen die Inhaftierten tragen, alle Anrufe werden zudem überwacht.

(NGZ)