Dormagen: Knechtsteden: Missbrauchsvorwurf ein Racheakt?

Dormagen: Knechtsteden: Missbrauchsvorwurf ein Racheakt?

Was ist dran an den Missbrauchsvorwürfen in den sechziger Jahren gegen den vor 43 Jahren verstorbenen Pater A.? Namentlich aus der Pfarre Nettesheim melden sich immer mehr Menschen, die als Messdiener in engem Kontakt zu dem Knechtstedener Spiritaner standen. Einhelliger Tenor: "Diese Vorwürfe sind unvorstellbar." Es ist sogar von einem möglichen späten Racheakt gegenüber dem Geistlichen die Rede.

Ein anonymer Briefschreiber hatte gegenüber der NGZ detailliert über sexuelle Übergriffe auf Jungen geschrieben (die NGZ berichtete). "Er war als Wissenschaftler äußerst bescheiden, nahe beim Menschen und charismatisch. Er hatte und hat nach wie vor einen ausgezeichneten Leumund", berichtet hingegen Matthias Kratz. Und schildert weiter: "Meine Mutter als Witwe mit drei minderjährigen Söhnen und einem landwirtschaftlichen Betrieb war arbeits- und erziehungsmäßig in dieser Zeit in einer kaum beneidenswerten Situation. Diese nahm Pater A. regelmäßig zum Anlass, mit Rat und tröstenden Worten zur Verfügung zu stehen. Dafür sind wir ihm, ich spreche auch im Namen meiner Brüder, noch zutiefst dankbar." Ähnlich Bernhard und Peter Emunds, Hans Kratz, Leo und Dr. Franz Schotten in einem Brief an die NGZ-Redaktion.

Sie kannten Pater A. aus dessen Tätigkeit in der Pfarre und am Krankenhaus in Nettesheim sowie als Schüler des damaligen Heilig-Geist-Gymnasiums in Knechtsteden, obwohl er dort niemals Lehrer war. Sie schreiben: "Wir haben bei unzähligen Kontakten niemals pädophile Neigungen feststellen können." Sie waren bei ihm als Messdiener, in der Pfarrjugend, begleiteten ihn auf Spazier- und 'Versehgängen'." Und weiter: "Pater A. war uns ein Vorbild und soll es auch bleiben." Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten, zum Beispiel in der Sakristei, seien die Vorwürfe unhaltbar.

Ein weiterer ehemaliger Messdiener in Nettesheim wirft die Frage in den Raum, ob es sich bei dem anonymen Verdacht um einen "späten Racheakt" handeln könnte, indem der Anonymus die allgemeine Diskussion über die Verdachtsfälle in der katholischen Kirche ausnutze.

  • Dormagen : Tierschätze der Spiritaner

Diesem Argument entgegen stehe die detaillierten Schilderungen des Hinweisgebers. Innerhalb der Knechtstedener Spiritaner-Gemeinde sorgen die Vorwürfe für tiefe Erschütterung. Auch der Rektor der Klosterbasilika, Pater Hermann-Josef Reetz, kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen.

Viele Nettesheimer haben unterdessen eine Ehrenerklärung für Pater A. gegenüber dem Erzbistum abgegeben. Dort ist Prälat Norbert Trippen vom Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner für die Bearbeitung der Verdachtsfälle bei Missbrauchsvorwürfen eingesetzt. Chrisoph Heckeley, Pressesprecher des Erzbistums, kann "nicht bestätigen, dass sich weitere angebliche Opfer im Generalvikariat gemeldet haben". Dort wird dem anonymen Missbrauchs-Hinweis weiter nachgegangen und ermittelt.

(NGZ)