Knechtsteden: Faust-Aufführung begeistert Publikum

Theater im Knechtstedener Norbert-Gymnasium : Eine Reise durchs Leben auf der Bühne

Das Ensemble des Westfälischen Landestheaters Münster begeisterte mit seiner Faust-Aufführung.

Am Freitagabend brillierte in der Aula ein bunt gekleidetes Ensemble des Westfälischen Landestheaters Münster vor schlichter Kulisse. Johann Wolfgang von Goethes „Faust“ stand auf dem Programm. War es bloße Komödie oder doch tiefberührendes Drama? Für beides standen viele Szenen auf der einfach und doch so geschickt konstruierten Bühne. Angesichts des tieftraurigen Schicksals von Gretchen blieben die gelegentlich evozierten Lacher im Hals stecken. Jedenfalls lief der Abend wie am Schnürchen zum großartigen Theater mit überzeugend agierenden Schauspielern auf.

Auffallend war die Wiedererkennung unzähliger Textpassagen, die längst in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen sind, faszinierend die ausgewählte Szenenfolge aus dem Teil I, die, unterbrochen von einer Pause, den Spannungsbogen stets aufrecht erhielt. Trotz dieser Straffung ist Dramaturg Christian Scholz zuzustimmen, der eine weite Reise ankündigte, „die das ganze Leben umfasst“. Mit seinen Figuren tritt der Dichterfürst in einen Dialog und trifft den Kern des Daseins, war weiter zu erfahren von diesem „Stück aller Stücke“. Volkstheater im besten, im klassischen Sinn wurde dort geboten. Den Anfang machte eine Wette im Himmel, bei deren entsprechendem Ausgang der Teufel Fausts Seele in Besitz nimmt. Im Verlauf mutierte das Opfer zur Marionette in den Händen des Bösen, und dabei wurde kaum etwas ausgelassen. Burghard Braun gab den nach Erkenntnissen und prallem Lebensgenuss gierenden Sinnsucher Faust, Guido Thurk war der allzeit die Bühne beherrschende Mephisto, Svenja Topler das anrührende Gretchen. Hinzu kam bei den Hauptfiguren noch Vesna Buljevic als durchtriebene Marthe. Arg störend wurde im Publikum die schlechte Akustik empfunden. War es die zurückhaltende Sprechweise oder waren es die ausgestellten Lautsprecher? So blieben auch dem aufmerksamsten Zuhörer Feinheiten der Dialoge verborgen. An spitzfindiger Grobheit fürs Auge fehlte es andererseits nicht. Aber wenn wieder einmal eine allen geläufige Redewendung im Schwange war, spitzte jedermann die Ohren.

Die Inszenierung der Münsteraner Theatermacher überzeugte mit ihrer Erzählstruktur. Allein äußerlich drückten die Schauspieler mit ihren häufigen Auf- und Abtritten aufs Tempo. Und das gelang mittels elektrisch angetriebenen Schiebetüren. Nach der Pause gewannen die Personenwechsel auf der Bühne erheblich an Fahrt. Aber das tat dann nichts mehr zur Sache, denn bei aller Betrübtheit erfreute sich das ausverkaufte Haus doch über Gretchens versöhnliches Ende. Gott selbst verkündete: „Sie ist gerettet.“

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