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Dormagen: Kleingarten ist ein "Jeföhl"

Dormagen : Kleingarten ist ein "Jeföhl"

Heidrun und Friedhelm Seemann sind Kleingärtner aus Leidenschaft. Es gibt für sie nicht Schöneres als ihre 350 Quadratmeter große Parzelle. Der Gartenzwerg gehört dazu: "Der ist doch schön", sagen die beiden Ruheständler.

Die Idylle ist der Klassiker. So wie sich jeder den typischen Kleingarten vorstellt: Die Länge der Grashalme auf dem kleinen Rasenstück würde jeden Golfspieler erfreuen; die Kanten sind perfekt geschnitten, Unkraut hat keine Chance, länger als einen halben Tag Tageslicht zu erblicken. Der umliegende Nutzbereich ermöglicht ein autarkes Leben. Teich, Windmühle und einige Gartenzwerge setzen die i-Tüpfelchen auf das Kleinod in der Kleingartenanlage. Hier fühlen sich Heidrun (69) und Friedhelm Seemann (75) zu Hause.

Ein Leben ohne die 350 Quadratmeter große Parzelle – das mag sich das Ehepaar nicht vorstellen. "Seit 37 Jahren haben wir unseren Kleingarten, es ist einfach schön hier." Als der damalige Chemiewerker im Bayer-Werk und die Kassiererin sich entschlossen, die Parzelle zu erwerben, hatten sie schon ihr Rentnerdasein im Blick. "Das ist unser Hobby", sagt Friedhelm Seemann. Für Ehefrau Heidrun ist es "das Schönste, den ganzen Tag in der Erde zu wühlen". Das war damals der perfekte Ausgleich zur Arbeit. "Für mich bedeutet die Gartenarbeit Entspannung pur. Und ich spare das Fitnessstudio." Gestern Morgen frühstückten beide in ihrem Gartenhaus: "Zu Hause ist der Kühlschrank leer, wir haben alles hier." Wenn am Wochenende im Vereinshaus gefeiert wird, sparen sich beide den Weg nach Hause und übernachten in ihrer komfortablen Laube. "Einfach praktisch, etwas trinken zu können und nur ein paar Schritte gehen zu müssen, um sich hinzulegen", sagt Friedhelm Seemann. Sie sind die Urgesteine im 99 Parzellen großen Bayer-Kleingartenverein. Der Senior erinnert sich: "Ich habe damals alles selbst gebaut, hier war kein Handwerker drin", sagt er stolz. Die drei Kinder verbrachten früher ihre Freizeit in der Anlage, "haben hier Fahrradfahren gelernt", sagt Heidrun Seemann. Heute wollen sie allerdings nichts mehr vom Kleingarten-Idyll wissen, von einer Übernahme der Parzelle ganz zu schweigen. Eigentlich müssten die Gärten zwei Drittel aus Rasenfläche und nur zu einem Drittel aus Nutzgarten bestehen. Das schreibt das Bundeskleingartengesetz vor. Aber ganz so eng wird das nicht gesehen. Wie in einem Verein in Mönchengladbach, erzählt Gerhard Fredrich, Schriftführer des Vereins: "Dort sind nur acht Rosen pro Parzelle gestattet. Ist eine neunte da, muss die weg." Fredrich hat auch eine Ahnung, warum der Gartenzwerg ein Muss ist: "Die Industrie ist schuld: Sie stellt die mit Schubkarre, Harke und Spaten her und dann werden die gekauft."

(NGZ)