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Dormagen: Klasse wird zum Zirkus

Dormagen : Klasse wird zum Zirkus

Nievenheim "Das tut überhaupt nicht weh." Marius Laube legt sich auf das Nagelbrett, als habe er das immer schon gemacht, wandelt über Glasscherben ohne mit der Wimper zu zucken.

Nievenheim "Das tut überhaupt nicht weh." Marius Laube legt sich auf das Nagelbrett, als habe er das immer schon gemacht, wandelt über Glasscherben ohne mit der Wimper zu zucken.

Hannah Kramer und ihr Einrad werden wohl bis zur Aufführung heute um 16.30 Uhr in der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule noch eine Einheit werden. Der Lehrer-Seufzer "So ein Zirkus" wird in diesen Tagen für die Klasse 10 g der Gesamtschule in Nievenheim Wirklichkeit.

In der kleinen Turnhalle wird gewerkelt und geübt. Auf den Matten proben einige Schülerinnen den perfekten Handstand, umrahmt von zwei Grazien, in einer anderen Eckekreisen die Teller auf den Stäben, lachen die Clowns, dazwischen liegen Dekorationen, werden letzte Details für das Marketing besprochen und Plakate gemalt.

Den ganzen Zirkus veranstaltet die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein kammerbezirksweit an 20 Schulen zusammen mit dem Unternehmen "Schule ist in".

"Ziel ist es, dass die Jugendlichen mehr Sicherheit in ihrer Berufswahl-Orientierung und eine höhere Ausbildungsreife bekommen", sagt Projektmanagerin Kirsten Thoneik von der IHK.

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Die Zirkuspädagogik ist ein Aspekt: "Sie fördert nicht nur Teamgeist, Kooperationsbereitschaft und Konzentrationsfähigkeit, sondern macht den Jugendlichen diese Fähigkeiten erst einmal deutlich."

Diese Kompetenzen zu erkennen, ist oft eine der größten Schwierigkeiten der Schüler, meint Dörte Baumann, Betreuerin bei "Schule ist in".

Doch Akrobatik, Tellerjonglage und Clownerie ist nur ein Aspekt. "Wir haben 50 Euro Startkapital von der IHK bekommen. Davon müssen wir die gesamten Kosten für die Vorstellung tragen", erklärt Senta Lindner.

Ein etwaiger Gewinn fließt in die Klassenkasse. Und der ist bei einem Eintritt von zwei Euro durchaus möglich.

Die Aufführung wird wie in einem richtigen Unternehmen vorbereitet. Hannah und Marius sind die Finanzchefs, sie haben die Gelder verteilt.

So muss Nina Bayer mit zehn Euro für das Catering des Nachmittags auskommen. Neben Getränken wird die 15-Jährige vor allem Popcorn anbieten.

Katharina Gruber kümmert sich um die Dekoration und muss dabei mit dem schmalen Budget von sieben Euro auskommen. Malte Sander muss für fünf Euro die Werbetrommel für das Zirkusunternehmen rühren.

"Es macht Spaß, ich fühle mich wie in einer richtigen Firma", sagt er. Der Job sei nicht leicht, aber mit Fantasie und Engagement, zum Beispiel beim Malen der Plakate, stelle sich auch der Erfolg ein.

"Die Jugendlichen lernen, sich in unternehmerisches Handeln hineinzudenken und werden sich dabei klarer über ihre Berufswünsche.", fasst Kirsten Thoneik ihre Erfahrungen mit den 15- bis 16-Jährigen zusammen.

In intensiven Gesprächen nach der Vorstellung arbeiten sie und ihre Kollegin Gabriele Götze die Erfahrungen der Jugendlichen auf.

Das vordringliche Ziel dabei: "Wir gleichen ab, wie die Erfahrungen der Schüler auf die Anforderungsprofile der Schüler passen."

(NGZ)