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Kläranlage in Dormagen: Grüne wollen schadstoffärmeres Wasser

Kläranlage in Dormagen : Grüne wollen schadstoffärmeres Wasser

Die Grünen in Dormagen drängen darauf, dass schadstofffreieres Wasser aus der Kläranlage Rheinfeld in den Rhein gepumpt wird. Das soll mit einer neuen, vierten Stufe im Klärwerk erreicht werden. De Stadtrat diskutiert am Donnerstag.

Das Tempo in Sachen Umweltschutz muss zunehmen, sagen die Grünen. Allein wenn daran zu denken ist, dass die kommende Bundesregierung umweltpolitisch anders gepolt sein könnte, wird die Entlastung der Fließgewässer mit belastetem Abwasser ein großes Thema. René Jungbluth, umweltpolitischer Sprecher in der Fraktion der Grünen in Dormagen, wirbt für einen vierte Klärstufe in der Rheinfelder Kläranlage. Zu viele Schadstoffe passieren heute noch das Werk und kommen auch ins Trinkwasser. Nach Meinung der Stadt soll dieses Thema im Verwaltungsrat der Technischen Betriebe Dormagen, einer Tochter der Stadt, diskutiert werden. 

Die Grünen rufen auch das Thema Abwassergebühren auf. Sie beschwichtigen und sagen, dass Dormagen bei diesem allgemein in NRW recht heiklen Punkt recht günstig rangiert: Landesweit lag 2020 für einen Vier-Personen-Haushalt die jährliche Abwassergebühr bei 726,49 Euro. Der kreisweite Durchschnitt eines Musterhaushalts lag bei 710,43 Euro. In Dormagen waren dagegen mit 562,70 Euro knapp 21 Prozent weniger fällig. „Eine Erhöhung der Abwassergebühren in Dormagen für den Ausbau einer vierten Klärstufe wäre daher durchaus vertretbar“, argumentiert der Antrag der Grünen an den Stadtrat.

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Es bleibt nicht aus, dass dieses Thema kontrovers diskutiert wird. Die einen pochen auf das Verursacherprinzip und wollen beispielsweise die Pharmaindustrie für die Einleitung von Medikamenten in die Kläranlage haftbar machen. Anderen kommt es darauf an, zusätzlich einen großen Teil der Belastungen durch Mikroplastik um einen Prozentsatz von zehn bis 90 Prozent zurückzufahren. „Eine Menge ist zu prüfen“, weist René Junbluth auf eine Mammutaufgabe für die beauftragten Prüfer hin, „um die Effekte der vorgeschlagenen vierten Reinigungsstufe zu messen.“ Wenn die Ergebnisse aber vorlägen, sollte die Reinigung im ökologischen Sinn zügig durchgezogen werden.

Moritz Rechenberger, Produktverantwortlicher bei der Stadtentwässerung Dormagen, klingt sehr aufgeschlossen für das Vorhaben. „Damit werden wir uns auseinandersetzen müssen“, äußert er. Vor allem käme es darauf an, was denn nun zusätzlich herausgefiltert werden solle. Eine rechtliche Vorgabe für die Installation einer 4. Klärstufe gäbe es derzeit nicht, so überrascht Rechenberger. Wenn auch perspektivisch sämtliche Schadstoffe ins Visier genommen worden seien, erfülle der heutige Status der Rheinfelder Kläranlage alle gesetzlichen Anforderungen. „Wir werden prüfen, an welchen Stellen die Belastungen zu hoch sind und wo zusätzliches Filtern angezeigt ist.“ Ob damit auch höhere Kosten für den Bürger verbunden seien, das hänge vom entsprechenden Grad der Schadstoffbelastung ab.

In diesem Punkt wird der am 24.Juni bei der Sitzung des Stadtrats vorgelegte Antrag, eine Machbarkeitsstudie vorzulegen, erheblich deutlicher: „Prognostisch werden die Spurenstoffe im Abwasser in Zukunft noch steigen.“ Die Überalterung der Gesellschaft allein sowie der steigende Pro-Kopf-Verbrauch von Medikamenten sei überall in den Fließgewässern nachzuweisen. Eingeleitete Mikroplastik sei im Rhein bei Dormagen sogar besonders hoch. Aktiv-Kohle-Filter bewirken bereits eine ganze Menge.

Die Alarmglocken müssten erst recht schrillen, so ist das wohl zu verstehen, weil Mikroplastik Trägersubstanz für andere Schadstoffe ist, die sich hier an der Oberfläche anhaften. Damit komme absehbar kein Ökosystem mehr klar. Dringend nötig sei in dieser vorgefundenen Situation eine politische Entscheidung, die aus einer offenen Diskussion abzuleiten wäre, fordert Moritz Rechenberger. Er spielt gemeinsam mit dem Grünen René Jungbluth ein Szenario vom Ende her durch. „Eine vierte Klärstufe in der Rheinfelder Kläranlage in Form einer zusätzlichen Filteranlage würde eine erhebliche Entlastung der Gewässerökologie des Rheins darstellen.“ Sogar die Nordsee würde davon profitieren. Der Rhein könnte mit besserem Gewissen weiterhin als Trinkwasserquelle genutzt werden, und die im und am Fluss lebenden Tiere würden weniger Gefahren für die Gesundheit ausgesetzt sein.

Die Entscheidung wird politisch zu fällen sein. Auch wenn es (noch?) keine rechtlichen Vorgaben gibt, erscheint ein Beschluss dringend. Gerade das festgestellte Ansteigen der Schadstoffe bei den Einleitungen in die Kläranlage werde deren Reinigungskraft in absehbarer Zeit überfordern. Darauf sollte nicht gewartet werden, so betont der Antrag der Grünen in seinem Kern. Vorausschauendes Handeln favorisiert auch der Produktverantwortliche für die Stadtentwässerung. Moritz Rechenberger. Die Stadt ist jedenfalls gefordert, eine zügige Entscheidung zu fällen zugunsten des Standortes.