Kirchenmusiker Martin Sonnen ist auch Regionalkantor

Kirchenmusiker-Karriere: Kantor hat seine Berufung gefunden

Der Ex-Delrather Martin Sonnen ist als Kantor in St. Andreas Korschenbroich tätig. Zunächst war er Fachinformatiker bei einem Versicherungskonzern, bevor er auf Kirchenmusik umschwenkte.

VON FRANZISKA GRÄFE

Quasi aus einer Bierlaune heraus fand Martin Sonnen seine Berufung. Ein Bekannter erwähnte über einem Glas Gerstensaft, dass er das C-Examen, die kleinste kirchenmusikalische Prüfung, ablegen werde. „Wenn Du das schaffst, hab ich gesagt, dann melde ich mich auch zur Aufnahmeprüfung an“, erinnert sich Sonnen grinsend.

Einen Beruf hatte der heute 37-Jährige zu diesem Zeitpunkt bereits. Nach dem Abitur am Bettina von Arnim-Gymnasium im Jahr 1999 – Leistungskurse Biologie und Geschichte – ließ er sich zum Fachinformatiker ausbilden. Stand in Lohn und Brot bei einem renommierten Versicherungskonzern. Dann mit Mitte 20 wieder alles auf Anfang. „Meine Eltern fanden das nicht wirklich gut“, sagt er. Martin Sonnen schreibt sich an der Robert-Schumann-Musikhochschule in Düsseldorf für Katholische Kirchenmusik ein, setzt aufs Diplom noch ein Aufbaustudium mit Schwerpunkt Chorleitung und Orgelimprovisation drauf. Der Beginn einer Kirchenmusiker-Karriere, die den Ex-Delrather bis jetzt schon auf Konzertreisen nach Russland und an die altehrwürdige Universität von Cambridge geführt hat. Vor sechs Jahren zum Kantor an St. Andreas in Korschenbroich berufen, ist Sonnen seit Jahresbeginn auch Regionalkantor für die Städte und Gemeinden Mönchengladbach, Korschenbroich und Jüchen. Dazu künstlerischer Leiter der Internationalen Orgelwochen und Jury-Vorsitzender beim Internationalen Orgelwettbewerb.

„Die Koordination von Hand, Fuß und Schalter“, sagt Martin Sonnen, sie reize ihn am Orgelspiel. Das Instrument bediene die Bandbreite von ganz laut bis sehr leise und sei außerordentlich vielseitig. „Musik aus der Renaissance oder Modernes, beides geht auf der Orgel“, sagt Sonnen. Den Beweis erbrachte er im März beim Friday-Night-Konzert in der Dormagener Christuskirche mit dem sprechenden Titel „Rock auf der Orgel“. Dort entlockte er dem 2014 erst eingebauten Instrument Themenmelodien aus „Star Wars“ und „Herr der Ringe“ sowie Klassiker von Bob Dylan, Metallica oder den Beatles. „Ich arrangiere die Stücke und überlege, welche Form am besten zur Interpretation auf der Orgel passt“, beschreibt der Musiker seinen Ansatz. Über Themen aus „Fluch der Karibik“ etwa legte er die Form der französischen Sinfonie.

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Würde man ein Klischee des katholischen Kirchenmusikers entwerfen, so bedient Martin Sonnen es garantiert nicht. Locker und sportlich-drahtig ist er, marschiert mit einstigen Schulkollegen im Nievenheimer Schützenzug „Joode Fründe“, hat viele Jahre Taek-wondo gemacht. Mit Ehefrau Marijke, einer Ärztin, lebt Martin Sonnen in Korschenbroich einen Steinwurf von St. Andreas entfernt. Seine musische Ader wurde früh gefördert. Als Achtjähriger begann Sonnen mit dem Klavierunterricht bei Dorothy Gemmeke, ließ sich später schon während der Berufsausbildung von Kantor Bert Schmitz im Orgelspiel unterrichten.

Sonnen kam über das Instrument, das ihn früh faszinierte, zur Kirche – nicht umgekehrt. „Ich war kein regelmäßiger Kirchgänger, hatte aber durch einen Großonkel, der Pater in Knechtsteden war, immer einen Draht dazu“, erzählt der Organist. Heute, nach zehn Jahren im Beruf, fühlt er sich in „seiner“ Kirche in Korschenbroich, den Strukturen des Bistums Aachen, das auch einen Teil seiner Stelle finanziert, zu Hause. Geldsorgen, wie sie freie Musiker oft umtreiben, habe ein Musiker im Kirchendienst nicht, wie Sonnen sagt. Der berufliche Umweg mit Neuanfang hat ihn aber zu einem anderen, womöglich noch wichtigeren Luxus geführt, den viele Menschen im Leben missen: Martin Sonnen macht beruflich das, was ihm die größte Freude bereitet. „Ich spiele schon wirklich gern Orgel“, bekennt der Ex-Delrather.

Das Instrument und den Kirchenraum zu meistern, stellt ihn immer wieder aufs Neue vor Herausforderungen. Zum Beispiel beim Konzert in Perm, zu dem ihn das russische Kultusministerium eingeladen hatte. Der Auftritt wurde im nationalen Fernsehen übertragen. „Ich spiele französische Stücke, für die man eigentlich eine Kathedrale wie Notre Dame in Paris braucht, und der Kirchenraum ist total trocken. Da bin ich ins Schwitzen gekommen“, erinnert sich Sonnen. „Trocken“ bedeutet in diesem Kontext, dass der Raum keinen Nachhall hat. „Da nützt die beste Orgel nichts“, erklärt der Fachmann, „umgekehrt kann ein toller Kirchenraum auch ein mittelmäßiges Instrument veredeln“. Viele Kirchen hat Martin Sonnen bereits „bespielt“, im Advent steht ein Auftritt im Würzburger Dom mit weihnachtlichen Stücken an. Ein Ziel des Kirchenmusikers für seine weitere Karriere ist ein Auftritt in Köln. „Dort im Dom zu spielen, das wäre schon eine feine Sache.“