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Dormagen: Kienbaum-Berater erfolglos

Dormagen : Kienbaum-Berater erfolglos

Neue Kritik am Verfahren zur Besetzung der Kämmerer-Stelle: Kein einziger Kandidat soll sich auf die Kontaktversuche des Headhunters beworben haben. Bald urteilt das Verwaltungsgericht, ob das Prozedere ordnungsgemäß war.

Kai Uffelmanns (38) Karriere befindet sich derzeit im Schwebezustand. Während der derzeitige Ochtruper Beigeordnete noch am 12. April seine Wahl zum neuen Kämmerer Dormagens mit seiner Frau feierte, blickt der Jurist seinem neuen Job inzwischen wohl mit gemischteren Gefühlen entgegen. Zumal die Kritik am Bewerbungsverfahren wächst.

Das Verwaltungsgericht Düsseldorf bearbeitet derzeit eine Klage der SPD-Ratsmitglieder Nils Szuka, Bernhard Schmitt und Erik Lierenfeld, die sich nicht richtig eingebunden fühlen in das Bewerbungsverfahren. "Lediglich 13 Bewerber durften wir in einem Termin mit Dezernentin Tanja Gaspers ansehen", hatte Szuka Anfang Mai beklagt. Ein Headhunter des Personaldienstleisters Kienbaum hatte dagegen 283 Kandidaten aus der Kartei des Unternehmens kontaktiert, von denen 57 den formalen Kriterien entsprochen hätten — beworben soll sich aber davon niemand haben, wie die NGZ jetzt aus sicherer Quelle erfahren hat. Alle 13 Bewerber hätten sich demnach aufgrund einer Stellenanzeige in der FAZ beworben. In einem Schriftsatz der städtischen Anwälte heißt es dazu: "Das klassische Warten auf Bewerbungen hat sich gelohnt. Die zusätzlichen Aktivitäten der Firma Kienbaum haben sich nicht gelohnt."

Auf NGZ-Nachfrage erklärt Dezernentin Tanja Gaspers: "Kienbaum ist hier auftragsgemäß aktiv geworden und hat seine vertraglichen Verpflichtungen erfüllt." Im Nachhinein lasse sich keine seriöse Aussage darüber treffen, wie das Bewerbungsverfahren ohne die Personalberatung gelaufen wäre. Die Verwaltung bestätigt zudem, dass die übrig gebliebenen Kandidaten sich auf die Anzeige hin beworben haben. "Ob sie sich auch gemeldet hätten, wenn die Personalberatung nicht zwischengeschaltet gewesen wäre, ist rein spekulativ", sagt Tanja Gaspers. Die Kosten für Kienbaum haben nach Angaben der Stadt immerhin 33 000 Euro plus Mehrwertsteuer betragen, insgesamt soll das Verfahren inklusive Anzeige mit 50 000 Euro zu Buche geschlagen haben.

Jörg Szuka, der die SPD-Ratsmitglieder vor dem Verwaltungsgericht vertritt, meint: "Wir glauben, dass eine erhebliche höhere Zahl an Bewerbungen vorgelegen hat." Der Anwalt hält die Zahl für unrealistisch und von Kienbaum politisch gesteuert. Die Stelle des Kämmerers sei ein hoch dotierter Job. Es könne nicht sein, dass die Zahl der Bewerber so niedrig gewesen sei. Szuka moniert zudem, dass im Rat eine von der SPD beantragte Vertagung des Verfahrens abgelehnt worden sei. Szuka: "Das alles schadet Kai Uffelmann nur." Der 38-Jährige soll Berichten zufolge inzwischen die Suche nach einer Bleibe im Rheinland auf Eis gelegt haben.

(NGZ)