Kammerchor an der Basilika Knechtsteden Bert Schmitz reicht den Dirigentenstab weiter

Knechtsteden · Nach 31 Jahren beendet der Gründer des Kammerchors an der Basilika Knechtsteden sein Dirigat. Feliks Sokol tritt seine Nachfolge an. Er hat an der Musikhochschule im ukrainischen Charkow ein Chorleiterstudium absolviert

 Symbolisch geht die Stimmgabel weiter an den Nachfolger: Dirigent Bert Schmitz (l.) übergibt die Verantwortung für den Kammerchor an der Basilika Knechtsteden an Feliks Sokol.

Symbolisch geht die Stimmgabel weiter an den Nachfolger: Dirigent Bert Schmitz (l.) übergibt die Verantwortung für den Kammerchor an der Basilika Knechtsteden an Feliks Sokol.

Foto: Georg Salzburg (salz)

Am Vorabend des vierten Advents hat in der Basilika Knechtsteden ein Neuer den Kammerchor übernommen. „Alles hat seine Zeit, auch ein erfolgreiches Dirigat.“ Der Vorstand des Kammerchors an der Basilika Knechtsteden hat in seiner Ankündigung dieses denkwürdigen Jahresausklangs wieder einmal den richtigen Ton getroffen. Anlass ist das Ausscheiden des Chorgründers Bert Schmitz nach nunmehr 31 Jahren und die Übergabe des Dirigentenstabs an Feliks Sokol. Gesangstechnische Präzision und inhaltlich gehaltvolles Singen bildeten während der drei Jahrzehnte Chorleitung von Bert Schmitz die künstlerischen Leitlinien. Feliks Sokol signalisiert vor der Übernahme des Chors vor allem Kontinuität.

Das Credo des A-cappella-Singens von Knechtsteden ist bis auf den heutigen Tag die reine Intonation. Sie fordert dem Chor eine Menge ab, wobei das intensive Einstudieren sowohl Herausforderung als auch Faszination darstellt. Bei all diesen zahlreichen Konzerten in der Basilika sowie bei erfolgreichen Wettbewerben und Auftritten im Ausland wurde der hohe Anspruch jedes Mal eingelöst und mit anerkennendem Jubel belohnt. Beispiele sind der Gewinn des 5. Landes-Chorwettbewerbs in Nordrhein-Westfalen und die Nominierung für den Deutschen Chorwettbewerb in Regensburg. „Das waren unvergessliche Erlebnisse“, erinnert sich der Chor heute.

Tonangebend im umfassenden Sinn war in diesen drei Jahrzehnten Bert Schmitz. Bereits während seines Cembalo-Studiums an der Musikhochschule bei Professor Hugo Ruf hatte er 1989 den Kammerchor gegründet. Eine Handvoll geschulter Chorsänger und -sängerinnen machte den Anfang, der durch Kommilitonen der Musikhochschule verstärkt wurde. Eindeutig lag die Betonung auf der Interpretation Alter Musik. Sich in deren Noten einzuarbeiten und die musikalische Botschaft der Komponisten zum reinen Klang zu bringen, darauf kam es immer an. „Jeder Ton hat eine Stärke und eine Schwäche“, so nimmt Bert Schmitz eine musikpädagogische Anleihe beim Komponisten Johann Joachim Quantz. Reine Intonation, Homogenität des Klangs und ausstrahlende Geschlossenheit sind für den Dirigenten entscheidende Eckpfeiler der Chorarbeit. Dabei erwartet er selbständig denkende Sängerinnen und Sänger, die mit ihrem Singen der reichhaltigen Alten Musik nachspüren. „Es war Musizieren auf höchstem Niveau“, nimmt der scheidende Ideengeber für sich und seinen Chor Werke aus Renaissance, Klassik, Romantik und Moderne in Anspruch.

Am Samstag wurde also der Dirigentenstab an Feliks Sokol (38) übergeben. Der hat an der Musikhochschule im ukrainischen Charkow ein Chorleiterstudium absolviert. Seit viereinhalb Jahren lebt er mit seiner Frau Ganna und einer Tochter in Deutschland. In Ratingen leitet er den Chor „Aufwind“ und singt zusammen mit seiner Frau bereits im Knechtstedener Ensemble mit.

Er will nach der Übernahme des Dirigats nichts ändern, was eine musikalische Vertiefung freilich nicht ausschließt. „Das reine Chorsingen ist für mich das Höchste“, bekennt Feliks Sokol, „und A-cappella-Chormusik ist meine Leidenschaft“. Singen ohne Instrumentalbegleitung soll es also sein. „Cembalo-Begleitung? Nun gut“, räumt er immerhin ein. Aber dann folgen seine Neuerungen: Ohne die geistliche Barockmusik zu vernachlässigen, sollen zeitgemäße moderne Klänge in ihr Recht gesetzt werden.

Das ist geknüpft an Namen wie Arvo Pärt, Bela Bartok, Krzysztof Penderecki und Alfred Schnittke. Orthodoxe Kirchenmusik darf bei einem Ukrainer natürlich nicht fehlen. Und sogar Volksmusik ist angedacht neben Inspirationen der texanischen A-cappella-Gruppe Pentatonix. „Letztere bietet sehr interessante Arrangements“, macht Feliks Sokol neugierig auf deren Chorstücke. Ebenso wie Bert Schmitz ist Felix Sokol, dessen Musikkunst in der Essener Bischöflichen Musikschule aktuell noch weiter ausgebaut wird, auch noch Leiter verschiedener Singgruppen.

Er stellte sich am Samstagabend in einem Gottesdienst in der Basilika damit als würdiger Nachfolger vor. Und erhielt dabei von Bert Schmitz persönlich den Dirigentenstab.

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