Kabarettistin Barbara Ruscher begeistert in Dormagen

Kabarett in Dormagen : Mit Barbara Ruscher auf der Überholspur

Die Kabarettistin begeisterte in der seit langem ausverkauften Kulturhalle mit Wortwitz.

Wer am Freitagabend Barbara Ruscher live in der Kulturhalle erlebt hat, hegt keinen Zweifel mehr daran, dass der Titel ihres aktuellen Programms absolut der Wahrheit entspricht: „Ruscher hat Vorfahrt“. Scharfzüngig wie charmant zog die Kabarettistin die 200 Besucher von der ersten Sekunde an in ihren Bann. Los ging es mit einer Situation, die jedem bekannt sein dürfte: Ein Mann parkt auf einem Frauenparkplatz. Barbara Ruscher entgegnet freundlich, aber trocken: „Toll, dass Sie so offen zu ihrer Transsexualität stehen.“ Die Weichen für die 100 Minuten waren gestellt, das Eis gebrochen. „Der Empfang war so nett – das war quasi schon Pflegestufe 1. Ich habe sogar einen WLAN-Zugang bekommen.“

Dann berichtete sie davon, wie kürzlich in ihrer Wohnung in Köln-Sülz einmal Stromausfall war. „Da musste ich mich mit meinen Kindern unterhalten. Die sind eigentlich ganz nett. Vielleicht treffen wir uns nächstes Wochenende oder in den Ferien mal wieder.“ Es gebe so viele Themen, die sie mit den Zuschauern zu besprechen habe, schließlich sei die Büchse der Pandora nun geöffnet. Und so ließ sie nichts und niemanden von mehr oder weniger Belang außen vor: Jede dritte Ehe werde geschieden, Datenklau, Brexit oder die „drei politischen Bonsais“ Trump, Putin und Erdogan, „die befugt sind, die Welt aus den Angeln zu heben“. Aber all das sei nichts gegen die schlimmste Seuche der Welt: Kindergeburtstage. „Statt zu Hause Spiele zu spielen, müssen das jetzt Events sein, die immer wieder getoppt werden müssen. Deswegen habe ich mir für meine Kinder einen Retro-Geburtstag ausgedacht mit den alten Spielen.“ Leider, so Ruscher, konnten die Gäste damit nicht wirklich etwas anfangen: „Bei der Reise nach Jerusalem fand sich ein Kind nicht wirklich in seiner Rolle wieder, haderte mit sich, ob es nun Jude oder Palästinenser sei. Topfschlagen war einem anderen Kind zu brutal. Aber der Höhepunkt war Schokoladenwettessen – wenn es nicht laut einer anderen Mutter so unhygienisch wäre.“ Dieser Sequenz folgte das erste Lied über die ständigen Selbstoptimierer. Und auch der Wassermangel musste musikalisch thematisiert werden: Herr Nestlé bekam ordentlich sein Fett weg – als Wasser-Massa. „Verwandele Wein in Wasser, Wasser zu Wein braucht kein Schwein – oder für die Veganer: Das braucht keine Nelke“, sang sie und das Publikum lag ihr lachend zu Füßen.