Kabarett in Dormagen - Schlachtplatte zum Jahr 2019

Kabarett in Dormagen : „Schlachtplatte“ servierte in der Kulturhalle das Jahr 2019 ab

Abgerechnet wird zum Schluss – und das kabarettistische Quartett Robert Griess mit Lisa Catena, Sarah Halenberg und Dagmar Schönleber meint es nicht gut mit dem vergangenen Jahr.

Von Vera Straub-Roeben

„Schlachtplatte“ heißt das Programm, zu dem Griess sich erstmals rein weibliche Verstärkung geholt hatte. Lisa Catena erfüllt nicht das typische Bild einer Schweizerin: Sie ist schnell politisch und fernab der Neutralität. Sarah Hakenberg bemüht häufig das Klavier und begeistert die Zuschauer mit kleinen,  sehr gemeinen Chansons und mitreißenden Gassenhauern. Dagmar Schönleber hingegen vereint warmherziges Kabarett mit intelligenter Comedy. Zu dritt erklärten die Frauen  Schlachtplatten-Oberhaupt Griess kurzerhand zum Quotenmann, sehr zur Erheiterung des Publikums.

„Es wird über jedes Jahr gesagt, es sei das Schlimmste gewesen. 2019 – Klimawandel, Trump, rechtsrum, 2018 – rechtsrum, Klimawandel, Trump, 2017 – Trump, rechtsrum, Klimawandel“, lautete der Konsens der Kabarettisten. Aber wäre es besser, wir schrieben das Jahr 1860 und hätten die Weltkriege noch vor uns? Oder wären wir gerne in 1347, in dem die Pest von 75 Millionen Menschen 25 Millionen Todesopfer gefordert hat?

Um 2019 einzuordnen, bedienten sich die Künstler der aufsehenerregendsten Schlagzeilen: Bundesverkehrsminister Scheuer hatte Anfang 2019 Überlegungen zu einem Tempolimit und höheren Dieselsteuern strikt abgelehnt mit der Begründung, sie seien „gegen jeden Menschenverstand“. Auch Horst Seehofer lieferte den Kabarettisten Futter – mit dem Gesetzestrick. Er hatte nämlich die zündende Idee, wie sein Innenministerium heikle Ideen durch den Bundestag bringt: „Man muss Gesetze kompliziert machen“, sagte er – hinterher sprach er von Ironie seinerseits. „Sollte Armin Laschet zum Klimawandel lieber die Schnauze halten?“, fragten die Kabarettisten eher rhetorisch.

Sehr zur Freude der Zuschauer intonierten die Kabarettisten auch den letzten großen Aufreger von 2019: Das Lied „Oma ist ne alte Umweltsau“ sorgte für einen Eklat, der sogar  zu Demonstrationen vor dem Kölner WDR-Gebäude geführt hat. „Satiriker können vielleicht schlechte Witze machen, dann lacht halt niemand. Aber was der Trump da macht, hat Auswirkungen auf Millionen von Menschen – jeden Tag“, wagte Robert Griess den Blick über den großen Teich.

Die „Schlachtplatte“ gastierte bereits zum siebten Mal erfolgreich in der Kulturhalle und stellt für Kabarettfreunde das erste Highlight des Jahres dar. „Die Leute lieben das einfach“, sagt Kulturbüro-Leiter Olaf Moll und verwies schon jetzt auf den nächsten Termin am 8. Januar 2021.