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Dormagen: Junger Straftäter zieht Gefängnis Raphaelshaus vor

Dormagen : Junger Straftäter zieht Gefängnis Raphaelshaus vor

Einer der drei Jugendlichen verlässt das Pilotprojekt freiwillig, ein neuer Teilnehmer wird erwartet.

Einer der drei jugendlichen Straftäter, die im Pilotprojekt "Jugendstrafvollzug in freien Formen" im Raphaelshaus untergebracht waren, hat das Dormagener Jugendhilfezentrum freiwillig verlassen, um ins Gefängnis zurückzugehen. Damit werden zurzeit nur noch zwei Jungen in der "Horst-Wackerbarth-Gruppe" betreut. "Das ist seine freie Entscheidung", sagt Raphaelshaus-Direktor Hans Scholten, der das als Hinweis darauf ansieht, dass die Anforderungen an die Jugendstraftäter im Raphaelshaus hoch sind: "Es ist anstrengender, sich mit den Regeln und Anforderungen bei uns auseinander zu setzen, als im Knast Fernsehen zu schauen", erklärt Scholten. Die Arbeit mit den Straftätern sei weit weg von "Kuschel-Pädagogik".

Ein neuer Teilnehmer am Pilotprojekt wird in den kommenden Tagen erwartet, wie Peter Marchlewski, stellvertretender Pressesprecher des NRW-Justizministeriums, berichtet: "Das Projekt läuft gut, bald wird ein weiterer junger Straftäter ins Raphaelshaus kommen." Das würde auch Hans Scholten sehr freuen, wie er sagte: "Denn zwei Jungen sind ja noch keine Gruppe."

Zunächst hatte es Startschwierigkeiten gegeben: Aus der am 1. August als Pilotprojekt des NRW-Justizministeriums gestarteten "Horst-Wackerbarth-Gruppe" waren in den ersten vier Wochen – am 19. August und am 1. September – drei der sechs jungen Straftäter, die vor allem wegen mehrmaligen Diebstahls verurteilt worden waren, geflüchtet. Alle drei stellten sich inzwischen selbst oder wurden gefasst und wieder ins Gefängnis gebracht. Die drei im Raphaelshaus verbliebenen Jugendlichen wurden mit einem vorübergehenden Stopp des Projektes durch das Justizministerium am 28. September in die JVA Iserlohn gebracht. Am 2. November bereiteten Bewohner und Mitarbeiter des Raphaelshauses den drei Heimkehrern einen begeisterten Empfang.

Experten hatten sich darauf geeinigt, dass die nun besser ausgesuchten Teilnehmer des Pilotprojektes des Justizministeriums andere Jugendliche des Raphaelshauses als Mentoren erhalten und die Straftäter auf ihren Wechsel aus dem Gefängnis nach Dormagen noch stärker vorbereitet werden sollen. Ziel des Projektes ist es, die Rückfallquote deutlich zu verringern.

(NGZ)