Dormagen: Junge Katholiken tun 72 Stunden lang Gutes

Dormagen : Junge Katholiken tun 72 Stunden lang Gutes

Rund 100 junge Katholiken waren am Wochenende ehrenamtlich unterwegs. Sie beteiligten sich an der 72-Stunden-Aktion des BDKJ.

Drei große Müllhaufen liegen vor der Vogelstation am Ententeich in Delrath. Das Kreischen einer Handkreissäge ist zu hören. Was aussieht wie Chaos ist eine Aufräumaktion der Pfadfinder des Stamm Greifen. Die sind den ganzen Tag im Naturschutzgebiet rund um den Ententeich aktiv, um das Gelände zu verschönern. 54 Pfadfinder sammeln Müll, bauen Nistkästen, schneiden den Fußweg frei und verteilen neuen Rindenmulch. Sie sind nicht alleine.

Zwei von fünf Aktionen: eine rollstuhlgerechte Kegelbahn (o.) und Pfadfinder, die Nistkästen bauen, während Weihbischof Schwaderlapp (u.) zuschaut. Foto: jaz

Deutschlandweit waren zwischen Donnerstag- und Sonntagnachmittag rund 170 000 junge Katholiken ehrenamtlich tätig. Sie alle nahmen mit einem Projekt an der 72-Stunden-Aktion des Bundes Deutscher Katholischen Jugend (BDKJ) teil, das Motto "Uns schickt der Himmel". In Dormagen wurden fünf Projekte umgesetzt. Neben den Pfadfindern waren auch die katholischen jungen Gemeinden St. Odilia und St. Michael unterwegs. Sie räumten im Tannenbusch auf. Die Jungschützen der St. Hubertus-Schützenbruderschaft in Horrem organisierten ein Sommerfest für Kinder und Senioren und die Messdiener der Basilika Knechtsteden reparierten ein Transportmobil der Kirche. Für strahlende Senioren-Gesichter sorgen derweil Jugendliche der Pfarre St. Michael und des Café Micado. Mit Siebdruckplatten und Cola-Kästen haben sie eine rollstuhlgerechte Kegelbahn für das Wohn- und Pflegeheim Malteserstift in Hackenbroich gebaut. Das sorgte für Begeisterung, zum Beispiel bei Marianne Otto (75).

In ihrem elektrischen Rollstuhl sitzend, stößt sie mit Schwung die Kugel in Richtung der Schaumstoffkegel. Acht fallen um, einer bleibt stehen. Ein Senior macht eine freche Bemerkung. Die Anderen lachen, auch Marianne Otto. "Ich bin doch ein kölsches Mädchen", sagt sie und fährt fort: "Wir haben früher schon immer auf den Fluren gekegelt." Richtig gut habe das aber nicht funktioniert. Die Kegelbahn wird nun im Gartenhaus verstaut und kann jederzeit wieder aufgebaut werden. Sie sei sogar wetterfest, sagt Felix Dietz (26), Leiter des Café Micado. "Wir haben das Richtige gemacht", sagt Dietz. Deshalb wolle man im kommenden Jahr auf eigene Faust einen "Sozialen Tag" organisieren und ein ähnliches Projekt verwirklichen. Die 72-Stunden-Aktion findet nämlich nur alle vier Jahre statt.

Auch in Delrath ist die Stimmung gut. "Die Kinder haben Spaß, sind an der frischen Luft und es kommt etwas Gutes dabei rum", sagt Dieter Platz (54), der Stammesvorsitzende der Delrather Pfadfinder. Der 54-Jährige steht neben drei Biertischen. Darauf liegen große Kisten mit Werkzeug, Schrauben und kleinen Akku-Schraubern. Zufrieden schaut er zu, wie seine Jugendlichen selbstständig Bretter für die Nistkästen ausmessen und zuschneiden. Ida Otte (8) und Malte Salzmann (9) schrauben die Einzelteile fleißig zusammen. Ihre Freunde säubern währenddessen das Gehege der Vogelstation. Einige Meter weiter verteilen junge Pfadfinder neuen Rindenmulch auf dem Weg rund um den Ententeich. Doch nicht alle Pfadfinder sind dort. Fünf Rover — das sind Pfadfinder, die zwischen 17 und 20 Jahren alt sind — haben sich kurzfristig dazu entschieden, ins Hochwassergebiet zu reisen und dort 72 Stunden lang zu helfen. "Ich finde es toll, dass junge Leute so anpacken", sagt Weihbischof Dominikus Schwaderlapp (64), der sich das Projekt der Pfadfinder anschauen wollte.

(NGZ)
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