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Jugendzentrum in Dormagen: Jugendliche drehen Demokratie-Film

Jugendzentrum in Dormagen : Jugendliche drehen Demokratie-Film

Teilnehmer des Projekts „Demokratie leben!“ präsentieren in einem am Freitag gedrehten Imagefilm ihre Erfahrungen. Entstanden ist die Idee zum Film aus einer Brieffreundschaft zwischen Dormagener Schülern und Geflüchteten.

„Um Demokratie wirklich zu verstehen, muss man sie leben und nicht nur darüber reden“, ist Andreas Stefen, Leiter des Horremer Jungendtreffs „Die Rübe“ überzeugt. „Wenn man das verstanden hat, wird politische Bildung plötzlich ganz einfach.“ Unter diesem Vorsatz fördert das bundesweite Programm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend lokale Projekte und Maßnahmen, die sich der Stärkung von Demokratie und Vielfalt widmen und insbesondere gegen Diskriminierung arbeiten. Das Programm richtet sich sowohl an Jugendliche als auch an Erwachsene.

Für das Jugendforum zuständig ist die Jugendeinrichtung „Die Rübe“ der Diakonie Rhein-Kreis-Neuss. „Da in Horrem Kinder und Jugendliche aus vielen unterschiedlichen Kulturen leben, eignet sich ‚Die Rübe‘ ideal als Träger des Jugendforums“, findet Stefen. Erster Ansprechpartner dort für alle an dem Programm interessierten Jugendliche aus dem Rhein-Kreis Neuss ist Sascha Jäckel.

Seit Beginn des Programms, das sich ab diesem Jahr in der zweiten Förderperiode befindet, haben sich bereits zahlreiche spannende Projekte ergeben. Da aufgrund von Corona einige eventorientierte Veranstaltungen allerdings nicht stattfinden konnten, werden diese im nächsten Jahr nachgeholt. Zu den bisher erfolgreichen Projekten zählt aber beispielsweise eine gemeinsame Fahrt nach Berlin, bei der die Jugendlichen sich im Rahmen von Museums- und Theaterbesuchen sowie interaktiven Workshops mit verschiedenen Religionen unterschiedlicher Kulturen auseinandergesetzt haben.

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Eine eigene Projektidee beigesteuert hat auch die damals noch 15-jährige Celina Winkels: Sie rief 2016 das Kooperationsprojekt „kulturelle Vielfalt auf dem Briefweg“ zwischen Schülern des Quirinus-Gymnasiums in Neuss und Geflüchteten, die im Berufsbildungszentrum Dormagen (BBZ) zur Schule gehen, ins Leben. Ziel war es, Brieffreundschaften entstehen zu lassen, um die Nöte und Ängste der Geflüchteten abzubauen. Da Briefe in der eigenen Herkunftssprache Vertrauen schaffen, war es wichtig, Schüler aus den jeweiligen Herkunftsländern der Geflüchteten für den Briefaustausch zu gewinnen.

Aufgrund des großen Zuspruchs hat sich das Projekt schnell über den Briefkontakt hinaus weiterentwickelt. „Da die Teilnehmer irgendwann wissen wollten, wer genau hinter den Briefen steckt, haben wir schließlich begonnen, gemeinsame Treffen zu organisieren“, schildert Winkels. Für den 21-jährigen Mohammad Ahmadkhoja, der 2015 aus Syrien nach Deutschland geflüchtet ist und als Schüler des BBZ an der Briefaktion teilgenommen hat, erwies sich der persönliche Kontakt als eine große Bereicherung. „In der großen Gruppe haben wir gemeinsam zum Beispiel ein interkulturelles Essen veranstaltet, eine Stadttour durch Neuss gemacht oder eine Führung durch das RWE bekommen.“

Mithilfe des Imagefilms, in dem die Jugendlichen mit kurzen Statements über ihre Projekterfahrungen berichten, sollen Gleichaltrige dazu motiviert werden, sich ebenfalls für Demokratie zu engagieren. „Denn die politischen Entwicklungen zeigen, dass Demokratie ständig neuen Gefahren ausgesetzt ist und von jeder Generation immer wieder neu erarbeitet werden muss“, so Jäckel. Für eine professionelle Umsetzung der Dreharbeiten sorgte die Firma „Kreativfilm“ aus Meerbusch. Neben den Jugendlichen stand auch Landrat Hans-Jürgen Petrauschke vor der Linse. Denn die Förderung von Demokratie stellt für ihn ein wichtiges Anliegen dar. „Es ist völlig normal, Unsicherheiten gegenüber Unbekanntem zu empfinden, entscheidend ist aber, wie wir damit umgehen“, sagt der Landrat. „Es ist enorm wichtig, Verständnis für andere aufzubringen und empathisch zu sein.“ Das bundesweite Programm „Demokratie leben“ sehe er daher als eine tolle Möglichkeit, das Demokratieverständnis in der Bevölkerung und insbesondere unter Jugendlichen zu fördern.

Da die Förderperiode noch bis 2024 andauert, hat „Die Rübe“-Leiter Stefen für die nahe Zukunft bereits einige neue Ideen erarbeitet: Beispielsweise ist ein regelmäßiges Treffen in der „Rübe“ geplant, bei dem die jungen Menschen sich gegenseitig über Demokratie austauschen können. Darüber hinaus wird auch über die Möglichkeit von digitalen Jugendtreffs via Online-Plattformen nachgedacht.