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Dormagen: Jugendliche trinken intensiver

Dormagen : Jugendliche trinken intensiver

Jugendliche trinken seltener als früher Alkohol. Dafür ist der Konsum intensiver. Dass es auch ganz ohne Alkohol geht, zeigen Dormagener Jugendeinrichtungen wie "Die Rübe". Gesunde Alternative: Mit Vitaminen feiern.

Es ist bewiesen, dass hoher Alkoholkonsum zu schweren gesundheitlichen Schäden führen kann. Diese Tatsache hält viele Jugendliche jedoch nicht vom regelmäßigen Vollrausch ab, wie eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigt. Zwar hat der regelmäßige Alkoholkonsum von Zwölf- bis 25-Jährigen den niedrigsten Stand seit den 70er Jahren erreicht — die Intensität des Trinkens bleibt konstant.

Alkoholfreie Partys haben sich in Dormagen zu einem wirksamen Instrument entwickelt, um präventiv gegen Alkoholkonsum vorzugehen. Ganz konkret erlebten das jetzt rund 60 Jugendliche, als sie im Jugendtreff "Die Rübe" eine Cocktailparty feierten. "Ohne Alkohol — das sieht hier niemand als uncool an", sagt Andreas Stefen, der als Sozialpädagoge die Diakonie-Einrichtung in Horrem leitet. Ganz im Gegenteil: "Ich kann auch ohne Alkohol Spaß haben", erläutert Jacqueline Schöneburg (17), die als Teil des Organisationsteams "Smealma-Jo" die Cocktailparty mitgestaltet hat. Auch ein Prevent-Mobil der Caritas konfrontierte die Besucher mit Alkoholkonsum. Anhand von Spezial-Brillen konnte — in nüchternem Zustand — ein Rausch nachempfunden werden.

Viele kennen aber auch den echten Rausch. Der Konsum von mindestens fünf alkoholischen Getränken bei einer Gelegenheit wird als "Binge-Drinking" bezeichnet, was immer noch verbreitet ist: Jeder fünfte Minderjährige und jeder zweite junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 25 Jahren, trinke mindestens ein Mal im Monat die genannte Menge. "Die Jugendlichen trinken um Spaß zu haben und um Hemmungen abzubauen", erklärt Julia Jakob, Pressereferentin der BZgA. Kampagnen, die die Jugendlichen dazu anregen, über den eigenen Konsum nachzudenken, seien von elementarer Bedeutung. "Wenn Alkohol der einzige Gesprächspartner wird, dann kann es problematisch werden", meint der Sozialpädagoge Thomas Sonnenburg.

Alkoholfreie Partys hin oder her: Werte des statistischen Landesamts belegen, dass die Anzahl der Krankenhaus-Einlieferungen im Rhein-Kreis Neuss seit 2003 — als die Zahl bei 34 lag — stetig zugenommen haben. 2009 wurden demnach 115 Jungen und Mädchen eingeliefert. Besonders bei den Mädchen ist der Anstieg eminent. Julia Jakob von der BZgA erklärt die steigenden Werte durch die erhöhte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu dem Thema. Die Risiken werden verstärkt kommuniziert, so dass Alkoholisierte häufiger als früher ins Krankenhaus gebracht würden. "Man muss starken Konsum von einer Sucht unterscheiden", sagt Andreas Bosbach von der Dormagener AHG-Suchtklinik. "Alkohol ist immer noch Genussmittel."

(NGZ)